Geschichte der Hofstätte Nr. 30


Die Hofstätte Nr. 30 wurde schon vor 1600 gegründet. Es ist anzunehmen, daß sich der Hofplatz heute noch an derselben Stelle befindet wie ehemals.

Vermutlich war zu Beginn des Dreißigjährigen Krieges Cord Plürs auf dem Hofe. Nach der „Beschreibung“ anno 1639 besaß Cord Plürs nach den Zerstörungen der ersten Kriegsjahre noch das Haus, 1 Pferd, 1 Kuh, 1 Schwein und hatte 1 Morgen Roggen und 1 Morgen Gerste gesät.

Als nach dem Kriege im Jahre 1685 die Ländereien neu vermessen wurden, nennt das Register auf Hof Nr. 30 Heinrich Kölling, vermutlich ein Verwandter aus Hof Nr. 20. Gemäß dieser Urkunde besaß er 6 ¼ Morgen Acker, so daß er wahrscheinlich nebenher ein Handwerk betreiben mußte. Er war wie alle Brinksitzer verpflichtet, an die Meierei Hagenburg 1 Thl. Schutzgeld zu zahlen. Neben einem Erntetag mußte er ferner Handburgfesttage ableisten.

Um 1700 kam ein Jobst Bruns auf den Hof Nr. 30. Nach 1725 bewirtschafteten mehrere Generationen der Familie Möller den Hof. Laut Kirchenbuch übte um 1765 Johann Heinrich Möller das Tischlerhandwerk aus. Seine Tochter Catherine Margarethe heiratete 1774 den Schulmeister in Wölpinghausen, Johann Anton Böttger, der aus Probsthagen gebürtig war.

Im Jahre 1806 übernahm der Sohn und Anerbe Johann Heinrich Möller den Hof Nr. 30. Er prozessierte gern und häufig, z. B. wegen des Brautschatzes seiner Ehefrau (300 Thl.), auch gegen seine Gläubiger. Er geriet aber desto tiefer in Schulden. Schon 1818 wurden darum Termine zur Hofversteigerung angesetzt. Doch gelang es Möller mehrere Male, sie zu verschieben, in dem er einzelne Ländereien, z. B. den Hohe Warte Kamp im Hessischen verkaufte.

Im Jahre 1826 - Möllers Kinder mußten sich schon auf fremden Höfen ihr Brot verdienen - wurde der Hof gegen Meistgebot verkauft. Dabei gab Wieggrefe (67-jähriger Leibzüchter auf Hof Nr. 3) zunächst das zweithöchste Gebot (641 Thl.) ab. Doch bald reiste er heimlich zur Hofkammer nach Bückeburg und erhöhte sein Gebot auf 825 Thl.. Als das ruchbar wurde, protestierten fast alle Dorfbewohner und empörten sich viele Leute in der Nachbarschaft.

Im Kirchenbuch brachte der Pastor diese Angelegenheit noch 8 Jahre nachher in der Sterbeurkunde so zum Ausdruck: „Durch viele Prozesse brachte er (Möller) sich so in Schulden, daß ihm im Jahre 1829 seine Colonie verkauft wurde an Wieggrefe (Leibzüchter auf Nr. 3), der durch List und durch Anlieger Neussel die ganze Colonie für den Preis bekam, welcher für das Ackerland geboten war“.

Johann Heinrich Möller mußte mit seiner Familie als Mietwohner auf Hof Nr. 46 ziehen.

Johann Heinrich Wieggrefe, ein Onkel des Landständlers auf Hof Nr. 23, war zunächst als Interimskolon auf den Meierhof Nr. 3 gekommen, und schon mit 45 Jahren auf die Leibzucht gezogen. Nach dem Tode seiner ersten Frau (Witwe Türnau Nr. 3) heiratet er noch zweimal.

Seinen listigen Handel mit Hofstätte Nr. 30 betrieb er mit 66 Jahren. Es ging ihm darum, seiner dritten Frau, die ja keine Leibzuchtrechte auf Hof Nr. 3 besaß, mit ihrer Tochter nach seinem Tode ein Unterkommen zu verschaffen.

Johann Heinrich Wieggrefe hatte bald nach Erwerb der Hofstätte Nr. 30 das Fachwerkhaus erbauen lassen, das heute (1968) noch benutzt wird (1830). Mit ihm wohnten dann noch Mieter im neuen Hause. Das war der Sohn des ehemaligen Besitzers Möller, der als Steinbrecher im Steinbruch arbeitete und dessen Schwester, die 1857 einen Drell- und Leinweber J. H. Wischhöfer geheiratet hatte.

Nach dem Tode Wieggrefes (1834) wurde seine Tochter aus dritter Ehe Anerbin auf die Hofstätte Nr. 30. Doch zunächst mußte noch die Mutter die Wirtschaft führen, weil die Anerbin noch längst nicht erwachsen war. Dorothea Wieggrefe heiratete 1850 den Zimmermann Johann Heinrich Wöbbeking (gebürtig aus Hofstätte Nr. 66).

Im Jahre 1880 heiratete wiederum ein Zimmermann, Heinrich Stahlhut aus Münchehagen die Anerbin (geb. Wöbbeking) von Hof Nr. 30. Heinrich Stahlhut trug sein Leben lang in Wölpinghausen den Beinamen „Timmemann“. Sein Sohn nach ihm dagegen als „Musiker Stahlhut“ bezeichnet, weil er diesen Beruf ausübte.

Seit 1945 bewirtschaftet nun dessen Sohn Gustav den Hof Nr. 30. Er hat die Fachwerkwände des alten Hauses von 1830 durch massive ersetzt. Da sich die Ackerfläche durch Zukauf merklich vergrößert hatte, mußte auch eine Scheune (1949) und ein Stall (1959) erbaut werden.


Quelle: Dorfbuch Wölpinghausen von Gerh. Lemke, 1968



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