Sitten und Bräuche


Der Betrunkene im Plattdeutschen


Der Marschendichter Hermann Allmers schreibt in seinen Römischen Schlendertagen folgenden Satz: „Das eigentliche Zechen und Kneipen im wahren und besten Sinne des Wortes verstehen unter allen Völkern der Erde nur einzig und allein die Germanen und unter diesen vorzugsweise wir Deutsche.“

Trunkenheit war denn ja auch, früher mehr als heute, ein weitverbreitetes Laster; man erkennt das schon an den vielfachen Bezeichnungen gerade der Sprache des Volkes, sowohl im Hochdeutschen als im Plattdeutschen.

Als Bezeichnung für die Betrunkenheit in der plattdeutschen Sprache der Schaumburger Landbevölkerung sind folgende 119 Ausdrücke aus der Umgegend von Stadthagen bekannt geworden:




Hei hät sick ein'ne

blitzet

pütchert

sapen

mülmert


wischet

nahet

söffelt

laschet


fongen

knätert

pietschet

nudelt


nahmen

schnappet

halt

pulwert


pfeffert

dönnert

laet

schnabbelt


tuffelt

lötet

tutet

böet


pustet

wuppet

schnoben

ßasket


brennt

sitzet

flitzet

bügelt


latchet

buddelt

blasen

kofft


kümmelt




Hei hät sick ein'n

annedrunken

uppeputzet

uppeschnappet

genehmiget


bewilliget




Hei hät sick ein'n

achter dä Binne jaten

int Hürne blasen

int Gesichte jaten

tau viele tehmt


tau viele föddert

achtern Tahne jaten

uppe Lüchten jaten


Hei hät sick'n

Lüttchen e nahmen




Hei hät

tau wiet int Fatte kieken

tau viels drunken

tau viele rünnerplumpet

sien Geld versapen


da Flaschen läg e maket

sau'n halben wäge

n' Zug e maket

tau förken öwerkieken


sieben Mal öwerkieken

ünnern Tappen e lägen

Kürwater e drunken

sien'n Laden vull


sien'n Kanal vull

ein'n öwer n Dost e drunken

dä Näsen vull

sien Maß vull


dä Böxen vull

sien'n Balg vull



Hei hät'n

Supkoller

et Kürwater



Hei hät ein'n

sitten

wäge

in'n Stiebel

inner Krone


in'n Giebel

in'n Buddel

In'n Timpen

in'n Hinnersten

Hei hät sau'n

Lüttchen inner Taschen

sitten

wäge

dahle späult

Hei is

dicke

schietendicke

kanonendicke

blau


besapen

duhn

knülle

schromm


scheif

schräg

stebelig

vull


benebelt

selig

henöber

knülle


nich mehr alleene

in'n Trane

in'n Sturme


Hei is'n

Supsack

Supschwien

Supborg

Nassauer


Nattkittel

Süper



Hei is sau dicke

as'n Schwien

as'n Uhle



Hei geiht

schräg

scheif



Hei

suppt

kennt sien Maß nich

kickt dubbelt

suppt wie'n Ketzer

Siene Tasche is

tau vulle worn






Wenn jemand sich nach zu reichlichem Alkoholgenuss erbricht, so heißt es von ihm:

Dat Bierfatt flütt öwer.

Haben andere ihm einen aufgeholfen und ihn so betrunken gemacht, so sagt man:

Se häbbet öhne ein'n uppehulpen

oder

Se häbbet öhne düchtig innesepet.




(Quelle: Die Heimat / Heimatbeilage zum Stadthagener Kreisblatt vom 25.12.1930; Bilder aus einem Gemälde von Brueghel)



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