Sitten und Bräuche


Von einigen schaumburgischen Familiennamen

nach Paul Hundt – Bückeburg, 1936 (gekürzte Fassung)


Die Familiennamen unserer engeren Heimat lehren in der Tat ein Stück Geschichte. Sie erzählen uns von Arbeit und von Bräuchen unserer Vorfahren, insbesondere von Bräuchen in der Namengebung, und sie bewahren ganz überwiegend altes Jahrtausende altes deutsches Sprachgut auf.

Die Stammbaumforschung hat manche dazu geführt, sich eingehender mit ihren Vorfahren zu beschäftigen und in ihnen auch Fragen geweckt, an die sie früher selten oder gar nicht dachten. So möchte hier und da jemand, der weiß oder erfährt, dass wir vor tausend Jahren noch keine Familiennamen hatten, wohl wissen, wie sein Vorfahr zu dem seinen gekommen ist.

Die Antwort auf diese Frage lässt sich leider nur selten unbedingt sicher geben; nämlich nur dann, wenn alte Urkunden darüber vorhanden sind. Aber häufig kann man sie aus dem Namen selbst erschließen und so wird die andere Frage wichtig: „Was bedeutet mein Familienname?“

Im Folgenden soll versucht werden, diese Frage wegen einer Reihe von Namen aus Bückeburg und der weiteren Umgebung zu beantworten.

Siedlerbeiname als Familienname

Die Vorfahren der Schaumburger sind Bauern gewesen. Auf der Suche nach Ackerland kamen sie in diese Gegend und gewannen es dem Sumpf- und Waldlande in mühevoller Arbeit ab. Von diesem Abgewinnen erzählen die hiesigen Familiennamen zwar nur mittelbar; die hier in Betracht kommenden sind nämlich hauptsächlich von der Lage der Ansiedlung, des Gehöftes hergenommen und aus der muss man schließen, was für Land der erste Namensträger in Besitz nahm.


Aumann, Auener

Au bedeutete ursprünglich „Wasser“, später auch „nasse Wiese am Wasser“. Diese Siedler hatten ihre Höfe also an solchen Stellen angelegt.

Lohmann

Lohmeier

sind nach Höfen genannt, die an einem Loh lagen, d.h. an Wald, Busch, Gehölz, Und ebenso Lochmann und Lahmann, worin die ersten Silben nur Abwandlungen sind.

Bornemann

nannte man einen, der an einer Quelle, einem Borne wohnte.

Markworth

hatte auf einem „Worth an der Mark“ gesiedelt. Wort (mit langem o) oder Wurt heißt im Niederungsgebiete die aufgeschüttete Erhöhung, auf der die Wohnstätte angelegt ist. Auch ganze Dörfer liegen auf Wurten. Mark ist „Grenze“

Bradtmöller

Bradtmüller

heißen so, weil sie auf einer „Bracht“ wohnten. So nannte man das durch Umbrechen, durch erstes Pflügen, zum Acker gewonnene Gelände, das nicht zur gemeinsamen Feldmark des Dorfes gehörte.

Oltrogge

ist aus „auf dem alten Rogge“ entstanden. Mit Rogge oder Rocke bezeichnete man ehemals eine Bodenwelle, einen Landrücken. Stattlichere Bergrücken heißen „Kamm“.

Bramstedt

deutet auf einen Siedler, dessen „Stätte“, d.h. Hof, am Rande der Dorfmark lag. Bram (Brahm) heißt „Rand, Saum“; das Wort lebt noch in „verbrähmen“, d.h. den Rand des Kleides verzieren.

Piehl

Niedrige runde Erhebungen nannte man Bühel, aus dem Beinamen „auf dem Bühel“ ist dieser Familienname geworden.

Brandt

Der Name bekundet unmittelbar, dass der Siedler sein Grundstück durch Feuer aus dem Waldboden gerodet h. Die Rodung wurde Brand genannt; der Mann wohnte „auf dem Brand“, und aus dieser Beifügung zu seinem Rufnamen entstand der Familienname.

Pöhler

wohnte bei einem Pol, d.i. „Pfuhl“. Pol kommt in verschiedenen Formen in hiesigen Flurnamen vor: Ihlpol, Ihpäule, Poggenpuel u.a.)

Brink, Brincke,

Brinkmann

Nicht auf vorwiegend feuchten Stellen hatten diese Siedler gebaut. Sie wohnten „auf dem Brink(e)“, d.h. auf hochliegendem oder ansteigendem Gelände.

Rauter

Der Name spricht als ursprünglicher Siedlerbeiname unmittelbar von der Art der Arbeit. Das Wort kommt her von „reuten“ d.i. „roden“, gehört aber der oberdeutschen Sprache an, so dass der Name auf einen aus Süddeutschland später in unsere Gegend gekommenen ehemaligen Siedler deutet.

Brockmann

ist der Siedler „am Brok“. Brok heißt tiefliegendes, von Wasserlachen und Sumpfstellen durchzogenes Land, Bruchland.

Rethmeier

heißt nach dem Reith, der mit Sunpfgras, Ried, bewachsenen feuchten Niederung, an der sein Hof lag.

Creuzinger

ist aus Kreitsenger umgeformt. In Schwaben und Oberbayern gibt es Namen auf -singer häufig. Sie bezeichneten ursprünglich Bauern, die den Wald- und Heideboden durch Sengen, durch Feuer, zum Pflugland vorbereiteten. Kreit, aus „Gereut“ entstanden, hieß das zu rodende Gebüsch, sowie weiter die gerodete Stelle.

Rinne

So nannte man ursprünglich das Bachbett, dann den Bach selbst, das Rinnsal, und endlich Wassergräben überhaupt.

Grupe / Gruppe (auch in anderer Schreibweise)

sind wahrscheinlich aus „an der Grupe“ entstanden. So nannte man Gräben, die zur Entwässerung des Landes angelegt wurden; in den Wesermarschen heißen solche noch jetzt Grüppen.

Seele

Selle

Sellmann

Der Name darf als ursprünglicher Siedlerbeiname verstanden werden: „der am Sel (oder Sil) Wohnende“. Sel (Sil) hießt der natürliche oder künstlich geschaffene Abflussgraben aus einer Wasserstellen. Heute heißt Siel der Durchlass der Wasserläufe durch Deiche.

Heidkämper

Kampermann

Kampermann hatte seinen Hof auf einem Kamp, Heidkämper auf einem in der Heide gelegenen Kamp. Kamp hieß die eingefriedete Besitzung, das mit Gräben, Hecken, Zäunen oder dergleichen umgebene Landstück, das außer dem Hofe auch Acker, Wiese und Holzung umfasste un einem einzelnen Besitzer gehörte.

Siekmann

hatte sich am Siek angesiedelt. Das Wort bedeutet „feuchte Niederung“, auch „träge fließendes Sumpfwasser“.

Heesen

Hees bezeichnet im Niederdeutschen „Buschwald“. Dieser Siedler wohnte „bei den Heesen“.

Struckmann

Das plattdeutsche Wort Struck ist hochdeutsch „Strauch“, d.h. Gesbüsch, Gehölz.

...horst

Hochgelegenes trockenes und fruchtbares Land bezeichnete man als Horst, doch hieß auch hochgelegenes Buschwerk Horst oder Hurst. Das Wort wurde in mehreren Siedlerbeinamen verwandt. Aus „auf dem hohen Horst“ und „auf dem langen Horst“ bildeten sich die Familiennamen Hohnhorst und Langhorst.

In Schnadthorst bedeutet die erste Silbe „Grenze“. (Schnad kommt von schneiden her). Bollhorst entstand aus „auf Baldos Horst“. Baldo, der Rufname des ersten Besitzers, war an dem Hofe haften geblieben, als er zum Familiennamen wurde.

Wesemann

ist leicht als „Wiesemann“ zu erkennen.

Hübner

ist nach der Größe seines Besitzes genannt: er hatte nur eine Hube Land zu eigen, etwa 30 Morgen. Hube ist das heutige Wort Hufe.

Wehde

Weihmann

Weymann

Weh (Wech) oder Wich wurde die Heiligtumstätte samt dem Walde genannt, der die alten Götter der Germanen umgab. Siedler an diesem Weh waren die Träger dieser Namen.

Kammann

Stattlichere Bergrücken heißen „Kamm“. Siedler an oder auf einem solchen.




Berufsbezeichnungen als Familienname

Manche Familiennamen sind eigentlich Berufsbezeichnungen und Titel. Wir sehen hier ab, bekannte und verständliche anzuführen, wie Weber, Becker (Bäcker), Schaper (Schäfer), Baron, Kardinal, sondern betrachten solche, die als Berufsnamen nicht mehr gebraucht und nicht mehr erkannt werden.


Beißner

bezeichnete einen Jäger, der die Beizjagd ausübte, die Jagd mit abgerichteten Falken.

Hey

heißt „Heger, Hirt“. Der Gemeindekuhhirt wurde hier noch vor fünfzig Jahren Heier genannt.

Böger

erinnert an ein längst ausgestorbenes Gewerbe, den Bogenmacher, der in den Tagen, da man noch mit Bogen und Pfeil schoss, arbeitete.

Krömer

Umgekehrt entstand aus Krämer in gerundeter Aussprache der Name Krömer.

Breuer

Breier

Breyer

Unschwer erkennt man den Brauer. Den nannte man früher auch Bräuer und daraus sind diese Familiennamen geworden.

Rösener

könnte als „der aus Rösen oder Rosen Stammende“ erklärt werden. Rosen hieß in alter Zeit das heutige Rösehöfe, und zwar nach dem wichtigsten Teile der dort befindlichen Kalköfen, der Röse, dem Feuerungsroste. Rösener darf daher wohl als Berufsbezeichnung angesehen werden, als „Kalkbrenner“, der mit der Röse zu tun hat.

Dresselmann

Drechsler war auch der erste Dresselmann. In mitteldeutschen Gegenden heißt der Drechsler in der Umgangssprache noch vielfach Dressler.

Schöttelndreier

als hochdeutsch „Schüsselndreher“. Der erste Träger dieses Familiennamens war entweder ein Töpfer, der auf der Drehscheibe vorzugsweise Schüsseln formte oder ein Drechsler, der sie nebst Tellern und Näpfen aus Holz verfertigte.

Eschmann

Esch hieß in alter Zeit die offene, uneingefriedete Ackerflur, die gemeinsamer Besitz der Dorfgenossen war. Als Wächter dieser Flur war der Eschmann angestellt, doch könnte der Name auch von dem Baume, der Esche, hergenommen sein und dann „der bei den Eschen Wohnende“ bedeuten.

Schrader

Schröder

ist eine alte, verbreitete Bezeichnung für den Schneider. Das Wort hängt mit dem schroten zusammen, d.h. zerschneiden, zerstückeln. Schrader bezeichnet also eigentlich den Zuschneider, der das Zeug zerschneidet.

Faudt

Vauth

sind niederdeutsche Formen des Namens Vogt. Dieser aus dem lateinischen Beamtentitel Advocatus entstanden, bedeutet „Statthalter, Richter, (Gemeinde-) Vorsteher“

Schütte

ist der Flurschütz, der Gemeindeangestellte, der die Felder zu bewachen und verlaufenes Vieh zu „schütten“ d.h. in den Schüttstall zu bringen hatte, den Schütting, von wo es der Besitzer abholen konnte.

Haake

Hake

Winkelhake

Diese Familiennamen bedeuten auch Krämer. Sie können zwar auch von dem Geräte, dem Haken hergenommen sein, wahrscheinlicher ist jedoch die Herkunft von dem niederdeutschen Worte Hak, d.h. Kleinhändler, Höker.

Winkelhake war ursprünglich Beiname eines in einem Straßen- oder Stadtwinkel wohnenden Kleinkaufmanns.

Schwertfeger

erinnert an den Schleifer und Polierer der Schwerter.

Berufsbezeichnungen sind auch Battermann, Wiegemann, Wiechmann und Hillmann. Die ersten Träger dieser Familiennamen waren Kriegsleute, Söldner in städtischen oder herrschaftlichen Diensten. Die alten Wörter Bad, Hild und Wig, die in den Namen stecken, bedeuten „Kampf, Krieg“. Auch Koller, Köller und Stahlhut lassen auf Gewappnete schließen. Sie sind aus den Beinamen „mit dem Koller“ und „mit dem Stahlhut“ zu erklären. Koller hieß ehemals der Helm mit Halsberge; das Wort ging später auf den Waffenrock der schweren Reiter über.


Vornamen als Familiennamen

Zahlreiche Vornamen, fast nur männliche, sind auch Familiennamen. Wir kennen hierzulande z. B. Hugo und Paul, die mehrfach vorkommen, und Friedrich und Ulrich, die seltener sind.

Außer den bekannten gibt es aber ebensoviel, ja vielleicht mehr solche, die alte, heute nicht mehr gebräuchliche und ganz vergessene Rufnamen sind. Sie haben als Familiennamen freilich fast alle nicht mehr ihre frühere Form, sondern sind mehr oder minder stark verändert, so dass die alten Rufnamen nicht mehr zu erkennen sind. Im Folgenden werden einige davon mit kurzen hinweisenden Bemerkungen aufgeführt.


Aldag

alt: Athaldag, „edler Tag (heller)“

Nobbe

aus Nodbert gekürzt, „eifrig Strebender“

Asche

alt: Asco, „Eschenspeer“

Nölle

aus Arnold entstanden, „adlergleich Waltender“

Asholt

alt: Ansowald, „wie ein Gott waltend“

Radloff

aus Radolf entstanden, „ratwissender Wolf“

Ballauf

aus Baldolf entstanden, „kühner Wolf“

Redecker

alt: Radiger, „ratwissender Speerkämpfer

Bilo

alter Kurzname, „Streitaxt, Beil“

Rennert

alt: Raginhart, „ordnender Starker“

Bolte

alt: Baldo, „Kühner“

Requardt

alt: Rieward, „königlicher Wart“

Budde, Büthe

alt: Bodo, „Gebieter“

Richwien, Riechwien

alt: Richowin, „königlicher Freund“

Derwald

alt: Deorowald, „teuer (wertvoll) Waltender“

Rohde

alt: Hrodo, „Berühmter“

Döhnert

alt: Theganhard, „heldenhaft Starker“

Römer

alt: Rumher, „berühmter starker Kämpfer“

Ebrecht

alt: Eobrecht, Eubert, „durch Rechtlichkeit glänzend“

Ronniger

alt: Runger, „geheimnisvoller Speerkämpfer“

Ewig

alt: Eowig, „rechtschaffender Kämpfer“

Scheer

alt: Scero, „der Scharfe, Schneidige“

Frädrich

aus Friedrich verändert, als Frithurik, „Friedenskönig“

Schönewolf

alt: Sconowolf, „glänzender Wolf“

Frommhold

alt: Frumold, „wacker (fromm) Waltender“

Schürmann

aus altem Scuro, „Kämpfer“ (eigentlich „wie ein Unwetter (Schauer) Stürmender“)

Gernand

alter Name, „wagemutiger Speerkämpfer

Schweer, Schwier

alt: Swidger, „geschwinder Speerkämpfer“

Grimme

alt: Grimo, „schreckenerregender Schützer“

Tebbe

aus alten Theudobald gekürzt, „Volkskühner“

Grimmer

alt: Grimhar, „grausenerregender starker Kämpfer

Theut

alt: Thiudo, „Volksmann“

Harder

alt: Hardher, „starker Kämpfer“

Thierhold

alt: Deorowald, „wertvoll (teuer) Waltender“

Heidrich

alt: Haidrik, „ganz König“

Warmbold

alt: Warinbold, „warnender Kühner“

Helmert

alt: Helmhard, „schützender Starker“

Wecke

alt: Wecho, „der Wachsame, Wackere“

Huck, Hüge, Huy

aus Hugo entstanden, „Denker“

Westerich

alt: Westarih, „König des Westens“

Jendrich, Jennerich

alt: Gandarik, „Werwolf-König“

Wiederholt

alt: Widarolt, „im Walte waltend“

Kaufhold

aus Gawivald entstanden, „Gauwalter“

Wiehe

alt: Wigo, „Kämpfer“

Mäwert, Mevert, Mewert

alt: Magafred, „machtvoll Frieden gewährend“

Wille

alt: Willo, „Willensstarker“

Metsolle

alt: Meißhold, „scharf (wie ein Meißel) waltend“

Wißmann

alt: Wisman, „weiser Mann“

Miede

alt: Muodo, „Mutiger“

Wittger

alt: Witgar, „Wald-Speerkämpfer“

Von fremdsprachlichen Rufnamen sind zu Familiennamen geworden Pettenpaul und Pettenpohl, eigenartige Umformungen des Namenpaares Peter-Paul, und weiter einige mehr oder weniger stark verkürzte Namen von Aposteln, Marthyrern, Heiligen und Päpsten: Blase (aus Blasius), Clabes (aus Nikolaus), Mewes (aus Bartholomäus), Reese (aus Andreas), Sander (aus Alexander), Suffrian (aus Cyprianus) und Tönsmann (in der ersten Silbe aus Antonius). Verkürzungen dieser Art kommen besonder im Rheinlande als Familiennamen vor, so dass anzunehmen ist, die Vorfahren der hiesigen Träger stammen dorther.

Ehemalige Schmeichelnamen

Manche Familiennamen sind aus früheren Schmeichel- oder Kosenamen dazu geworden. So nennen die Sprachkundigen Namen, die aus einem – meist gekürzten – Rufnamen (heutigen Vornamen) und einer angehängten Verkleinerungssilbe bestehen. In den meisten Namen erkennt man die darin steckenden Rufnamen aber nicht mehr, und auch die verkleinernden Endungen haben ihre alten Formen geändert.

Die in Niederdeutschland vorkommenden Schmeichelnamen gehen meistens auf die Silbe – eke aus, die auch -ecke, icke und -ke lautet. Unter den hiesigen Familiennamen bilden sie die Mehrheit.


Bake

aus Baducho zusammengezogen, „kleiner Kämpfer“ / aus Badeke zusammengezogen, das aus Bado, der Kürzung von Badolf gebildet ist

Hünigen

alt: Hunichin, „kleiner (lieber) Hüne“

Bose

alt: Bozo, „kleiner (lieber) Gebieter“ / aus Bodo, von Bodulf, Bodwin u.a.

Keuneke, Künecke

alt: Chunico, „kleiner (lieber) Kühner“ / zu Kuno, aus Konrad

Brenneke

alt: Brandico, „kleiner Schwertkämpfer“

Lücke

aus Chlodico zusammengezogen, „kleiner Ruhmvoller“ / aus Lüdeke zusammengezogen, daher mit langem ü zu sprechen, enthält Ludo, die Kürzung von Ludwig

Busse, Busche, Büsche

alt: Bozo, „kleiner Gebieter“ / vgl. Bose

Männecke

aus Maginbald abzuleiten, „kleiner Mächtiger“ / umgeformt aus Meino, der Kürzung von Meinhard

Daake, Take

alt: Dagiko, „kleiner Tag(-heller)“ / aus Dago, der Kürzung von Dagobert

Menzel

alt: Maginziko, „kleiner (lieber) Kraftvoller“ / enthält Meino (von Meinhard)

Dedeke

alt: Theodicho, „kleiner (lieber) Volksmann“

Pätz, Pertz

alt: Berzo, Bezzo, „kleiner Bär“ / der alte Schmeichelname Beritzo (aus Berold und Berulf)

Dietzel

alt: Theuzilo, „kleiner (lieber) Volksmann“ / enthält Dieto (die Kürzung von Dietrich)

Peek

aus alt: Baduko entstanden, „kleiner (lieber) Streiter“

Ertel

alt: Hardilo, „kleiner (lieber) Starker“

Reinecke, Reinke

alt: Reinco, Reineko, „kleiner Ratwisser“ / von Reino, das Reinhard und Reinhold kürzt

Flacke, Flake

alt: Fladiko, „kleiner (lieber) Sauberer“ / aus Flado, vollständig Fladebert

Riehl

alt: Ridilo, „kleiner (lieber) Reiter“ / hier hat sich der alte Schmeichelname Ridilo zusammengezogen (aus Rido, der Kürzung von Ridbert)

Fricke

alt: Frideco, „kleiner Friedengeber“ / aus Friedo, dem kürzeren Friedrich

Risse

alt: Richizo, „kleiner (lieber) König“

Gedekoh, Jedeko

alt: Godico, „kleiner Göttlicher“

Röbke

alt: Robico, „kleiner (lieber) Berühmter“ / von Robbo, aus Robert

Gewecke

alt: Gebiko, „kleiner (lieber) Geber (Schenker)“ / aus Gebo, der Kürzung von Gebhard

Salge

alt: Salaco, „kleiner (lieber) Hausherr“ / Salge enthält den vergessenen Namen Sallo

Gieseke

aus Giso verkleinert, „kleiner Pfeilschütze“ / enthält Giso, aus Gisbert

Schäkel

Verkleinerung von Scacko, „kleiner (lieber) Schüttler (Erschütterer)“

Hapke

aus Happo, „kleiner glänzender Streiter“ / aus Habbo oder Happo, von Hadbert

Scheuerl

alt: Scuvilo, „kleiner Kämpfer (wie ein Unwetter Stürmender)“

Hardtke

alt: Hardiko, „kleiner (lieber) Starker“

Uhle

alt: Udilo, „kleiner (lieber) Erbherr“ oder der Name der Eule

Hempel

alt: Hampilo, „kleiner kühner Gutsherr“

Weege

alt: Widuco, „kleiner Waldmann“ / Weege ist aus dem altem Wedigo verändert, das mit Wido (der Kürzung Widukind) gebildet ist.

Henke

entweder alt Henekin, „kleiner (lieber) Gutsherr“ oder aus Johannes abgeleitet („kleiner Hans“) / aus Heino abgeleitet, dem Kurznamen aus Heinrich, doch ist auch die Herkunft von Henne möglich, das durch Umlautung und Verkürzung des Fremdnamens Johannes entstanden ist.

Witzel

alt: Wizilo, „kleiner (lieber) Waldmann“ oder auch „kleiner (lieber) Kämpfer“ / enthält Wido

Heuke

alt: Huik, Hoiko, „kleiner Denker“ / stark verändert aus Hugo, der Kürzung von Hubert, älterem Hugbert




Nachkommennamen

Unter den Beinamen, die unsere Altvorderen zur Unterscheidung von Leuten gleicher Rufnamen oder aus sonstigen Gründen verwandten, bevor sie Familiennamen einführten, bezeichnen manche den Träger als den Sohn seines Vaters oder den Nachkommen eines älteren Vorfahren. Davon sind viele später zu Familiennamen geworden. Wir nennen sie Nachkommen- oder Abstammungsnamen. Sie bestehen alle aus einem Rufnamen (dem des Vater oder Vorfahren) und einer Endung, die das Abstammungsverhältnis ausdrückt. In den hiesigen Namen sind es die Endungen -s, -en, -ens, -er und -ing. Die Rufnamen, teils Vollnamen, teils gekürzte, lassen sich in den heutigen Familiennamen oft nur schwer erkennen, zumal viele von ihnen schon seit langer Zeit nicht mehr gebraucht werden. Nachkommennamen auf -er wurden früher in mitteldeutschen Landschaften der Namenträger als „zugehörig zur Familie“ dessen bezeichnet, der in dem Namen genannt war.


Ahlers

von alt: Adalhari, „(Nachkomme) des edlen starken Kämpfers“

Helfers

von alt: Hildifrid, „des streitbaren Schützers“

Ahrens

von Arno, „des Adlergleichen“ / Ahrens ist „des Ahren“, wozu man in Gedanken „Sohn oder Nachkomme“ ergänzen muss. Ahren oder Aren, ein in Niederdeutschland ehemals verbreiteter Name, ist aus Arnold gekürzt. Wir kennen ihn aus der Geschichte unseres Landes: Ritter Aren, Hus Aren und die Ahrensburg nennen ihn.

Hennies

von Hennig, „des Nachkommens Heinos“; Heino bedeutet „Gutsherr“ / auch in Hennies stecken zwei Endungen zur Bezeichnung des Abstammungsverhältnis, -es und -ing. Er ist aus Henniges entstanden, worin -ig, die in Norddeutschland häufige Abschwächung von -ing ist. Hennig = Nachkomme von Heino

Albers

von Albert, „des edlen Erlauchten“

Hohls

von Hohilo, „des kleinen (lieben) Hohen“ / enthält den sehr alten Schmeichelnamen Hohilo, aus dem Rufnamen Hohbert (Hochbert)

Albes, Alves

von Albo, „des Elfen“

Hohnholz

von alt: Hunwald, „des wie ein Hüne Waltenden“ / Dieser ist eine andere Schreibung für Honholts, „des Honholt“, des alten Vollnamens Hunwald.

Bodecker, Bodeker, Bödecker,

Bodesker

aus alt: Poticho (Bodiko), „aus der Familie des kleinen (lieben) Gebieters“ / zur Familie des Bodeke. Bodeke ist die Schmeichelform von Bodo (aus Bodfried, Bodulf u.a. gekürzt)

Jebens

doppelter Wesfall von Jebo, alt: Gebo, „des (Sohnes des) Schenkers“ / enthält beide Endungen -es und -en: man darf ihn als „Enkel des Jebo“ auffassen. Jebo, ein friesischer Rufname, entspricht dem schon erwähten Gebo, der Kürzung von Gebhard

Bövers

aus alt: Boffo (Verkürzung von Bodfried), „des gebietenden Schützers“ / Sohn des Böver (dieser aus Bodfried entstanden)

Rohlfs, Rolfs

von alt: Hrodulf (Rudolf), „des berühmten Wolfs“ / aus Rolf, verkürztem Rudolf

Brandes

von alt: Brando, „des Schwertkämpfers“ / Wesfall von Brando, aus Hildebrand, Gerbrand u.a.

Römpler

von alt: Hrumbilo, „aus dem Geschlechte des kleinen Berühmten“ / „zur Sippe des Hrumbilo gehörend“ (dieser alte Schmeichelname zu Hrumbo oder Rumbo)

Bruns

von Bruno, „des in der Brünne Kämpfenden“

Schering

von alt: Scero, „Nachkomme des Schneidigen, Scharfen“

Deierling

von alt: Diorilo, „(Nachkommen) des kleinen lieben Teuren (Werten)“

Scherler

von alt: Scharilo, „des kleinen (lieben) Schneidigen“

Dulling

von alt: Duldo, „(Nachkomme) des Ausdauernden (Geduldigen)“

Seegers

von alt: Sighar, „des siegreichen starken Kämpfers“

Eggers

von alt: Agihari, „des starken Schwertkämpfers“

Spielker

von alt: Spiliko, „aus der Sippe des kleinen (lieben) Spielers (Kampfspielers)“ / In Spielke steckt der längst vergessene Kurzname Spilo

Eix

von alt: Agico, „des Schwertkämpfers“ / andere Schreibung für Eiks, von niederdeutsch Eike, aus Eckhard

Thelen

von alt: Thilo, „des kleinen Volksmannes“ / von Tele, der niederdeutschen Umformung von Dietel, dem Schmeichelnamen aus Dietrich

Erdelen

von Hardilo, „des kleinen Starken“ / (auf der ersten Silbe zu betonen); aus Erdel, dem alten Schmeichelnamen Hardilo

Tielker

von alt: Thieliko, „aus dem Geschlechte des kleinen Volksmannes“, oder auch „des kleinen Geschickten“ / in Tielke steckt der längst vergessene Kurzname Tilo

Fröhling

von alt: Frutilo, Fruotilo, Frolo, „(Nachkommen) des kleinen (lieben) Verständigen“

Uhlen

von alt: Udilo, „des kleinen (lieben) Erbherrn“

Garben

von alt: Garibo, Gerbo, „des Speerkämpfers“

Vehling

von alt: Fahlo, „(Nachkomme) eines (Ost- oder West-) Falen“

Gebbers

von alt: Gibahari, „des schenkenden starken Kämpfers“

Wierks

von alt: Wigirik, „des Kämpferkönigs“

Geuken

von alt: Gawiko, Geuko, „des kleinen (lieben) Gaubenbewohners“ / vom Schmeichelnamen Geuka, alt Gauko

Wömpner

von alt: Wanibo, „aus dem Geschlechte des herrlichen Göttlichen“ / In Wömpner drücken wieder zwei Endungen das Nachkommensverhältnis aus. -en und -er: er bezeichnet einen „aus der Familie der Wempen, des Sohnes von Wempe. Der letzte Name ist aus Wanibo, der Kürzung des ganz alten deutschen Rufnamens Wanibert entstanden.

Heeren

von Hero, „des starken Kämpfers“ / aus Hermann, Herbert u.a.




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