Die vom „Hohen Felde“

Im Jahre 1553 wird im Register der „Güther und Aufkünfte des Adelichen Stifts zu Obernkirchen“ Tylecke EGGERDINCK als Besitzer des Hofes „tho Honfelden“ aufgeführt und im Kornregister Michaelis 1581-1582 des Stifts Obernkirchen erscheint Gerke BLAUWE als Hofbesitzer. In weiteren Listungen aus dem 16. Jahrhundert ist nur vom „Meiger tho(m) Hoenfelde“, „Honfelder Meier“ o.ä. die Rede.

Der Hof verfügt in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts über 2 Hufen = ca. 60 Morgen Land, 8 Pferde, 9 Kühe und 10 Schweine und ist den übrigen drei früheren Einzelhöfen in Rolfshagen größenmäßig in etwa ebenbürtig.

Der zuletzt namentlich genannte Gerke BLAU(W)E müßte um 1575 in den Hof eingeheiratet haben. Er war der erste des Geschlechtes der BLAUE, das nun über sechs Generationen als Meier dem Hof vorstand. Ihm folgten um 1610 sein Sohn Tonnies und 1638 dessen Sohn Henrich, die - wie die übrigen Bauern des Dorfes - im 30-jährigen Kriege schwer um ihre eigene und des Hofes Existenz kämpfen mußten.

Tonnies BLAUE wird in einem „Special Verzeichnüs“ des Jahres 1634 als blutarm bezeichnet. Kurze Zeit danach starb er. Der Hof stand „wüste“. 1635 konnten nur 6 Morgen Gerste, 4 Morgen Hafer und 4 Morgen Wicken angebaut werden, weil man die Pferde und den größten Teil des Saatgetreides konfisziert hatte.

Vier Jahre später waren zwar wieder 1 Pferd, 2 Kühe und 1 Schwein vorhanden und es wurden nun 19 Morgen Getreide angebaut, aber das alles reichte bestenfalls für ein äußerst bescheidenes Leben. Erst drei Jahre nach dem großen Kriege standen wieder 6 Pferde und 6 Kühe im Stalle und nach weiteren Jahren konnte die gesamte Landfläche des Hofes wieder in Betrieb genommen werden.

Henrich BLAUE (s.o.) wurde 1667 von seinem Sohn Jost (Herman) und dieser wiederum 1703 von dessen Sohn Johan Tönnies als Hofbesitzer abgelöst. 1732 folgte Johan Henrich BLAUE, in dessen Besitzerzeit die erste Hausnummern-Vergabe in Rolfshagen fällt, wobei der Hohenfelder Hof die Nr. 2 erhielt, womit gleichzeitig dokumentiert wurde, daß es zu dieser Zeit der zweitgrößte Hof in Rolfshagen war. Er verfügte damals über 6 Pferde, 5 Kühe, 4 Schweine und 56 Morgen Land.

Johan Henrich BLAUE heiratete 1732 in erster Ehe die Tochter des Meiers ENGELKING von Luhden Nr. 1 und nach deren Tod im Jahre 1770 im Alter von 62 Jahren die Witwe seines Knechtes Wilhelm SEEGER(S) aus Kathrinhagen, Anna Ilsabey Charlotte.

Beide Ehen blieben kinderlos. Deshalb ging der Hof 1773 an die älteste Tochter aus der 1. Ehe seiner zweiten Frau, Anne Dorothea SEEGER(S) bzw. deren Ehemann, Julius BUCHMEIER aus Deckbergen über. Deren Nachfolger als Hofbesitzer waren 1814 Johan Henrich (Sohn) und 1843 Carl Heinrich BUCHMEIER (Großsohn).

In der Zwischenzeit hatte sich der Hohenfelder Hof durch Waldrodung erheblich vergrößert. 1867 wurde er auf die Tochter des Carl Heinrich BUCHMEIER, Sophie Christine Charlotte, überschrieben, die sich mit dem ersten RINNE auf dem Hofe, Carl Heinrich, vermählt hatte. Und nun folgen die RINNEs, die den Hof bis zu seiner Aufgabe in jüngster Zeit bewirtschafteten.



Die Vorgeschichte derer vom „Hohen Felde“

Unweit des Gasthauses „Süße Mutter“ am Südwestabhang der Bückeberge, etwas abseits der Landesstraße 442 zwischen dem Arensburger Paß und Obernkirchen, an der Rinnestraße im Ortsteil Rolfshagen der Gemeinde Auetal, Landkreis Schaumburg, führen die (überwiegend zu Wohnungen umgebauten) Gebäude des ehemaligen Hohenfelder Hofes oder Hofes zum hohen Felde heute ein wenig beachtetes Dasein. Kaum jemandem ist bekannt, daß der Hof einmal diesen Namen führte (man nennt ihn heute im allgemeinen den Rinnehof) und daß es sich hier um einen alten Adelshof (adelig freies Gut) handelt, der in den ersten Jahrhunderten seiner Gründung eine herausragende Funktion unter den Rolfshagener Höfen besaß.

Die Entstehung dieses Hofes ist aller Wahrscheinlichkeit nach der großen Rodungszeit um das Jahr 1000 zuzuweisen., in der neben ihm im westlichen Auetal auch der Horsthof, der Struckhof und der Bredehof (sämtl. Rolfshagen) sowie etwas weiter östlich das Rittergut Kattenbruch, der Bulthof/Bültehof (Kathrinhagen) und der Diekhof (Poggenhagen) als Einzelhöfe entstanden.

Er war in seiner Anfangsphase Sitz eines Geschlechtes, das sich nach dem Flurnamen „de HON(E)VELDE“ nannte und es spricht einiges dafür, daß seine Angehörigen etwa im 11. Jahrhundert - ebenso wie die „von ROREKERSEN“ auf dem Adelshof im Kreienhagen (Klippschloß) und andere „Rittersleute“ in der näheren Umgebung - zu einem Kreis von Vasallen oder Gefährten der Edelherren von ARNHEIM auf der „Alten Bückeburg“ bei Obernkirchen gehörten.

Als erste namentlich bekannte auf dem Hofe ansässige Edelleute begegnen uns „Rodolphus et Thidericus fratres de HON(E)VELDE“ und zwar in zwei Urkunden des Jahres 1261, in denen sie als Zeugen aufgeführt sind. In der ersten Urkunde wird der Verkauf eines Hofes in „Rederen“ (Rehren) an das Kloster Obernkirchen vom Schaumburger Truchseß Ludwig POST und von dem Rat von Stadthagen bestätigt, in der zweiten die Überlassung von Eigenbehörigen (=Leibeigenen) als Pfand durch den Edlen Ludolf von ARNHEIM an das Kloster in Obernkirchen dokumentiert.

„Rodolphus de HON(E)VELDE“ der vorweggenannte und vermutlich ältere der beiden Brüder, müßte den Umständen nach um das Jahr 1200 geboren worden sein und war somit zwischen 1225/20 und 1250/55 im besten Mannesalter. Diese Zeitspanne deckt sich nun ziemlich genau mit der zweiten Phase der großen Innenkolonisationsarbeiten (Anlage von Hagensiedlungen) der Grafen von Schaumburg in ihrem Herrschaftsgebiet.

Die erste Phase begann um das Jahr 1205 auf Veranlassung von Graf Adolf III., der sich ab 1203 - nachdem er auf Holstein verzichtet hatte und aus dänischer Gefangenschaft entlassen worden war - wieder häufig und von ca. 1220 bis 1225 fast nur noch in der alten Heimat aufhielt und endete mit seinem tode im Jahre 1225. In dieser Zeit entstand der „indago comitis“ (= Hagen des Grafen / Grevenalveshagen), das spätere Stadthagen, als Ausgangspunkt für weitere Rodungen im westlichen Dülwald und der „indago que beate Katerine dicitur“ (= der nach der seligen Katharine benannte Hagen / Katernen Hagen / Caternhagen), das spätere Kathrinhagen im Auetal.

Die zweite Phase dürfte unmittelbar danach mit der Einsetzung des Propstes des Rintelner Zisterzienserklosters welches zuvor von Stadthagen nach Rinteln verlegt worden war, als Locator für die Neusiedlungen Probsthagen und Obernwöhren und verstärkt um 1228 begonnen haben, als sich der Sohn und Nachfolger Adolfs III., Adolf IV, nach der gewonnenen Schlacht bei Bonhöved und Rückeroberung Holsteins zwar wieder der Nordmark zuwandte, seine Schaumburger Gefolgsleute aber, die in ihrer Mehrzahl an der Schlacht teilgenommen hatten, wieder in ihre Heimat zurückgekehrt waren und sich hier neuen Aufgaben widmen konnten. Sie dauerte bis etwa 1260, wurde also auch unter den Nachfolgern Adolfs IV. (er verzichtete 1239 auf die Regierung und trat ins Kloster ein), Johann und Gerhard, fortgesetzt.

Während sich Adolf III. in der ersten Phase noch weitgehend selbst um die beiden „Großbaustellen“ in seinem Einzugsbereich kümmern konnte, war dies Adolf IV. Wegen seiner Inanspruchnahme in Holstein und in Anbetracht der Vielzahl neuer „Baustellen“ sicherlich nicht mehr möglich. Er war also auf Unternehmer angewiesen, die für die örtliche Planung, Leitung und Durchführung der Rodungs- und Siedlungsarbeiten verantwortlich waren.

Zwei von diesen örtlichen Unternehmern (man nannte sie damals Locatoren) sind uns bekannt. Es waren dies der obengenannte Propst und Conrad von HAMELSPRINGE, der die Hagensiedlung Wiedensahl anlegte. Wenn es auch keine konkreten Hinweise dafür gibt, so deuten doch verschiedene Anzeichen darauf hin, daß unser „Rudolphus de HON(E)VELDE“ diese Funktion in der Rolfshagener Flur ausgeübt hat. Als Angehöriger des niederen Adels, Ortsansässiger und Ortskundiger dürfte er den Grafen von Schaumburg als Oberunternehmer hierzu gerade als prädestiniert erschienen sein, zumal er die Erfahrungen, die man in unmittelbarer Nachbarschaft (Kathrinhagen) bei der Anlage der Hagenhufenkolonie schon gesammelt hatte, ohne besondere Mühen verwerten konnte.

Er wird es dann auch gewesen sein, der die vier alten Einzelhöfe (spätere Hausnummern 1 - 4) in diesem Bereich mit den von ihm neugeschaffenen Hagenhufen-Höfen (es handelt sich mit einiger Sicherheit um die mit den späteren Hausnummern 6 - 12 und sehr wahrscheinlich um den Hof mit der späteren Nummer 5 sowie zwei weitere westlich davon gelegene Höfe) zu einem neuen Gemeinwesen zusammenführte. Wen nimmt es da Wunder, daß die neuentstandene Ortschaft schließlich auch nach ihm benannt wurde (um 1300 „indago Rodolfi“ = Rudolfshagen). Solche Namensgebungen nach dem Namen des Locators kamen während der Kolonisationsperiode im 13. Jahrhundert immer wieder vor und im vorliegenden Falle sprechen alle bislang bekannten Umstände dafür.

Am 30. November des Jahres 1284 schenkte Graf Gerhard von Holstein und Schaumburg, der sich an diesem Tage in Hameln aufhielt, dem Stifte Obernkirchen den „eigenthümlichen“ Besitz des Hofes „in Honvelde“ und im Jahre 1286 hielten der Truchseß Helmicus von HASTENBECK, Adolph Edler von HOLTE und die übrigen Kastellanen auf der Schaumburg in einer auf der Schaumburg ausgestellten Urkunde fest, daß die Streitigkeiten zwischen dem Kloster Obernkirchen und den Gebrüdern „Gozwinus et Ludingerum de HONVELDE“ (es handelt sich höchstwahrscheinlich um die Söhne des „Rodolphus“) wegen der Güter (= Grundbesitz) zu „Honvelde“ (nicht Homfelde) von ihnen „dahin abgethan“ worden sind, daß die genannten Gebrüder völlig und endgültig darauf verzichten und ihren Ansprüchen daran entsagen.

Dieser Verzicht bezog sich jedoch aller Wahrscheinlichkeit nach nur auf die Eigentumsrechte an dem Hohenfelder Hof und berührte nicht die Besitzverhältnisse (Status als Lehnsnehmer) sowie die sonstige Rechtsstellung der Hohenfelder in Rolfshagen.

Im Jahre 1302 wurden die Vogteirechte an dem Hofe durch den Vogt „Gherardus“ Edler vom BERGE und seinen Sohn „Wedekindus“ an die Brüder „Bernardo et Olrico“ von LANDESBERGEN verpfändet und anschließend überlassen. Zu etwa der gleichen Zeit (um 1300) empfingen zunächst „Ludingher“ (s.o.) und wenig später Johannes von HONVELDE den Zehnten des Hohenfelder Hofes. 1310 besaß ihn „Reynbert von HONVELDE“ und noch im gleichen Jahre ging der an den Mindener Ministerialen Johannes von HONVELDE über, der wohl auch dem Hohenfelder Hofe entstammte. Diese Vorgänge lassen nun darauf schließen, daß die Hohenfelder zu dieser Zeit den Hohenfelder Hof nicht mehr bewohnten und bewirtschafteten, aber noch über Besitz- und sonstige Rechte verfügten. Sie hatten sich inzwischen vermutlich anderen (wichtigen) Aufgaben in Staat und Kirche zugewandt.

In einer Urkunde des Stifts Obernkirchen vom 20. Februar 1373 bestätigen die Brüder „Lutger unde Johan gheheten (= gehießen/mit Namen) van HONVELDEN“ die Übergabe und Überlassung eines Rolfshagener Hofes durch Arnold KOLENER und seine Frau Lücke und ihren Bruder Johann, den Schmied, an das Stift Obernkirchen. Die Tatsache, daß diese Übergabe und Überlassung „mit unseme willen“ und mit dem ausdrücklichen Einverständnis der Brüder „van HONVELDEN“ geschah und daß sie dafür Sorge trufen, daß die Übergebenden auch weiterhin nach dem (für sie günstigeren) Hagenrecht behandelt wurden, kann als Zeichen dafür gewertet werden, daß das Geschlecht derer „van HONVELDE“ zu einem früheren Zeitpunkt mit besonderen (erblichen) Rechten in ihrem Einzugsgebiet ausgestattet war. Es kann sich bei der Überlassung aber auch, oder außerdem, um einen Hof gehandelt haben, den der örtliche Locator als Prämie für seine Arbeit erhalten hatte.

Gleich wie dem auch sei, die Annahme, daß ein Angehöriger des Geschlechts derer „van HONVELDE“ der Locator gewesen ist, der die Hagensiedlung Rolfhagen anlegte, erfährt hierdurch eine Erhärtung, wenn nicht gar eine Umwandlung zur Gewißheit.

Die nächstfolgende Nachricht vom Hohenfelder Hof findet sich erst wieder im Einnahmeregister des Rechnungsbuches des Stifts Obernkirchen aus den Jahren 1475-1476, in dem unter dem Ortsnamen Rolfshagen vermerkt ist: „Hohenfelden uppem Buckeberghe, unde is woste (= wüst)“ und im Einahmeregister für die Jahre 1477-1478 heißt es unter Hoenfelde(n): „Helwich SCHEDE dedit 6 s vor 1 molder haveren“ (= Helwich SCHEDE - richtig wohl SCHELE - gibt 1 Schilling für 1 Malter Hafer). Bald danach vermeldet eine weitere Notiz: „Helwich SCHELE, unße meygher tho Hoenfelden, dedit 1 mr vor eyn olt perd, vorkofte ick ome sabbato post dominica Exaudi (= 9. Mai)“.

In den hundert Jahren, die zwischen diesen Nachrichten und der vorhergehenden liegen, muß sich demnach auf un um den Hohenfelder Hof allerhand ereignet haben. Das Geschlecht derer „van HONVELDEN“ tritt in Rolfshagen 1475/79 nicht mehr in Erscheinung. 1475 ist der Hof wüst, d.h. Unbewohnt, verlassen und möglicherweise auch heruntergekommen und verfallen. 1477/78 aber wird der Hof wieder bewohnt und von einem Meier bewirtschaftet. Das könnte bedeuten, daß in den Jahren 1475/76 neue Hofgebäude errichtet wurden, und zwar auf einem höhergelegenen Terrain, nämlich dort, wo sich die Hofgebäude noch heute befinden, während sich die alten möglicherweise im südlicher gelegenen Sieke oder an ihrem Rande in Wassernähe befanden, wie frühere Heimatforscher vermuten. Einen genauen Aufschluß über den früheren Standort könnten archäologische Ausgrabungsarbeiten geben. Sie würden vielleicht auch Erkenntnisse darüber vermitteln, ob der alte Hof über Wehranlagen o.ä. verfügte.


Quelle: Auf Schaumburger Fluren von Hermann Eggers / mit freundlicher Genehmigung zur Veröffentlichung

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