Von Gottes Gnaden

Wir Philipp Graff zu Schwawenburg / Lippe und Sternberg / u. Geben unsern Unterthanen hiemit zuwissen / daß zwar wir vermeinet hetten es würde die


bißhero über Teutschlandt vorgeschwebte Kriegs Ruthe zur Besserung gedienet / und die Leute / mit einem emendirten Leben Gott in dieselbe zufallen / und die Trangsahln auß Gnaden abzuwenden / mit demühtigem unauffhörlichem Gebete stets anzuhalten / angetrieben haben / Dannoch ein anders verspühret / und zwar / daß die Boßheit / Verachtung Gottes Worts und das ruchlose Leben / bey wehrendem Kriegswesen überhandt genommen / und allerhand Unordnung / dadurch die von unsern an der Regierung Vorfahren: gemachte Ordnung auß den Augen gesetzet / eingerissen / deßwegen Wir für eine Notthurfft erachtet / dieselbe sambt und sonders / zu wiederholen / und absonderlich die Uns untergebene Prediger abermahl zuermahnen / Ihrer geleisteten schweren Pflichten sich stets zuerinnern / und Ihrer Gemeine mit Lehren / unterrichten und exemplarischen Leben fürzustehen / Die Gottlosen von ihren bösen Wegen ab / und zu der Gottesfurch zu kehren / und die Betstunde mit besonderm Fleisse zu halten / Ihr Pfarr.Kinder anzutreiben / auch bey denselben die Anordnung zu machen / daß auch auff'm Land an bequemen Ohrtern Schulmeistere / die eines ehrbaren / redlichen Lebens / bestellet / und denselben die Jugend zur Unterweisung in der Gottesfurcht und Christlichen Tugenden / anbefohlen werde / und zu dem End wochentlich die Schulen zu visitiren und der Schulmeistere Fleiß zu excitiren;

Demnehest vernehmen Wir mit besonderer Unlust / daß ohnerachtet Wir die gemeine Fast: und Bettage / wie auch Sabbathtage zu ...nigen und mit gebührender devotion zu halten / offtmahls verordnet; Dennoch diese Verordnung / wie auch die gestrenge Befelch und Betrohung Gottes wenig gefruchtet / und dagegen zu Zeiten das Fahren auff den Gassen / Kauffen und Verkauffen / und allerhand HandArbeit / gleich als wenn Gott und die Obrigkeit auff dieselbe Tage solche nicht verbotten / ungeschewet getrieben werden / Ja an statt fleissiger Besuchung der Predigten / und Anruffung Gottes / dieselbe Tage allein zum Müssiggang / und unzulessigem Spatziren werden zugebracht / und an Fasttagen gar wenig an ihren Mahlzeiten abbrechen / bevor ab dieselbe / so uffm Lande wohnen / am Sontage an den Ambt Stuben / und in den Städten Ihre Clage zu thun / und Gewerbe zutreiben / sich sich heuffig einpfinden / Befehlen demnach / Krafft dieses / ernstlich den Wochentlichen Sabbath / wie auch Christliche Fast: Bett: und Bußtage mit mehrerm Ernst und Fleiß zu halten / den Gottesdienst embsigst zu versehen / und an den Fasttagen sich alles Essens und Trinckens / biß dieselbe zu ihrer Endschafft vollenzogen / zu enthalten / dagegen selbige / wie auch den Sabbath / und anderer Fasttage / mit hertzlicher Anruffung Gottes zu vollenbringen / Insonders aber keine offene Laden zu halten / für geendigtem Gottesdienst keine Bier: oder Brandtweins Geläge zusetzen; keine Handwerck zu üben / weniger mit Fahren auff den Gassen / und im Felde / oder mit ..eschen / und dergleichen Arbeit / dieselbe zu entheyligen; Unter dieser Verwarnung / daß / wer dagegen gehandelt zu haben / wird betreffen werden / unnachlessig mit 5 Rthlr. gestraffet werden soll / wie dann auch die Beambte an berüh.. Tagen / keine Partheyen hören / Es sey dann / daß die Sachen keinen Auffschub erleyden können / sondern vielmehr die solches unzeitiges Anbringens sich anmassen / mit der Gefängnüsse bestraffen sollen. Und weilen bei den wolf... ...en / ein grosser Mißbrauch / durch vollsauffen / auch bey den Bawren eingeschlichen; Als sollen unsere Beambte auff dieselbe Auffsicht haben / und / dafern Sie vernehmen / daß etzliche sich in täglichen vollsauffen üben / mit ... .... verfahren / Insonders wollen Wir die Fastnacht und Pfingst-Bier verbotten und auff denselben / derselbige anstehet .... .... verordnet haben. Ins gemein aber / soll Abends nach zehen Uhr / kein Gelag verstattet / und dafern dagegen wird gethan / derselbe so das Gelag gesetzet / mit .... Rthlr. ..... ..... bestraffet werden.

Imgleichem wollen Wir der Hochzeiten und Kindttauffen halber / was in der Policey Ordnung von Hochzeiten und Kindtauffen disponiret / wiederholet / jedoch darbey / da in berürter Policey ..... ein Tag zur Hochzeit vergünstiget / zwey Tage an statt eines erlaubet / dagegen aber die Suppen andern als Frembden und von frembden Ohrten eingeladen die des Morgens an einen Ohrt können zusammen beruffen werden .... folgen zu lassen / bey Straffe eines Ducaten verbotten / und dabeneben verordnet haben / daß niemand mehr / als drey Gevattern bitten / sonsten aber für einen ieglichen / so über diese Zahl gebetten wird / fünff Rthlr. geben soll. ...

auch Wir schmerzlich hören / daß etzliche seyn / die / wiewohl sie erwachsen / dennoch viele Jahr über deß Herrn Nachtmahls sich geeussert; Als befehlen Wir unsern Predigern / dieselbe zum fleissigen Gebrauch anzumahnen / und ...rn sie Ihnen nicht wollen folgen / in beyseyn der Eltesten von der Gemeine / und in Ihren Predigten gantz ernstliche Vermahnung gegen sie gebrauchen / und wann sie darauff halßstarrich verbleiben / alßdann bey Vermeydung unserer ... ...ade es andeuten und darüber seyn / daß wenn sie verstorben und begraben werden / des Glocken Lautens und Gesänge nicht geniesen / wie Wir denn dabey wollen / daß dieselbe / so die Leiche biß an das Grab zubegleiten sich unternehmen mit ... Rthlr. sollen gestraffet werden; Und kan diese Straffe gegen die Verächter des heyligen Worts zu Zeiten auch gebrauchet werden;

Endlich weiln Wir verspüren / daß der Kirchen disciplin Abgang zum ruchlosen Leben viel Ursache gegeben / als wollen Wir / daß dieselbe Anfangs in etwas werde wieder eingeführet / und künfftig dieselbe leddige Menschen es seyn Männer oder Frawen / so zum erstenmahl in der Unzucht werden befunden / wann sie zum Nachtmahl wollen gehen / ungenandt und mit blosser Anziehung / daß einer mit unzüchtigem Leben die Gemeine geärgert / und umb Vergebung bäte / die Kirchen Busse thun / die aber zum andern mahl sich also versündigen / von der Cantzelen genenet / und nachdem der Sünden Grobheit exaggerirt, umb Verzeihung bey der Gemeine anhalten / die aber geehliget und gleichwol zum Ehebruch sich verleiten lassen / an einem Sontag von der Cantzel mit Nahmen genant / und ihre grobe Sünde der Gemeine fürgetragen / und dieselbe ermahnet werden / für den Sünder oder der Sünderinnen zu beten / daß Gott wahre Rew und Buße verleihen wolle / am andern Sontage der / so dieser Sünden überführet / durch den Prediger der Gemeine anzeigen lassen solle / daß die begangene Sünde ihm von Hertzen leyd sey / hette gebetten und bete nochmahls / Gott die Sünde ihm zu vergeben / die Gemeine aber / die Argernüssen ihm zu verzeihen / und als ein Glied ihn wieder anzunehmen / worauff er denn zum Nachtmahl verstattet / und in die Christliche Gemeine wieder auffgenommen werden soll; Und würde zu solcher Kirchen Buß er sich nicht verstehen / soll er nach dem der Pfarrherr ihn dazu lassen ....mahl anmahnen / des Landes verwiesen werden / gleichwohl soll die zuvorn allhie im Lande gebräuchliche Straffe hiedurch nicht auffgehoben werden / sondern wie zuvorn sie ihm schwang gewesen / wieder im Gebrauche verbleiben;

W... auch der Ehestand von jederman soll ehelich werden gehalten / Wir aber erfahren / daß durch böse Gewonheit bey vielen ein anders dem Ehestand zur Verkleinerung eingerissen / und die Eheliche Zusage zum offteren ehe durch die fleischliche Vermischung / als durch die Priesterliche Einsegnung bestettiget wird / Als wollen Wir dasselbige / welche solches frühzeitiges Beyschlaffen sich unternehmen / mit willkührlicher Straff belegt / die Geschwängerte aber zugleich angehalten ohn den Braut.Krantz mit einer Mützen sich copulieren zu lassen / und im Fall sie solches würde unterlassen / mit der Gefängnüß bestraffet werden;

Damit nun diese zu Gottes Ehren zuerbreiten angesehene Ordnung nich wie oft ...n geschehen / in Abgang gerathe / befehlen wir denen Städten / die einige Jurisdiction von unsern Vorfahren und Uns haben / mit eusserstem Ernst darüber zu seyn / daß diese unsere Ordnungen in allem gelebet und die Verbrecher ..... ehen bestraffet werden / mit der Verwahrnung / daß dafern sie vom Fiscali, der insonders darüber soll beeydiget werdet werden / deß Unfleisses können überwiesen werden / sie ihrer Jurisdiction beraubet werden sollen / unsern Beambten ... demandiren Wir den Unter.Vogten / Achts.Leuten und Dienst.Ladern einzubinden / so einiger gegen diese unsere Ordnung gehandelt anzugeben / und sie dabey zuverwarnen / daß im Fall sie unfleissig sich werden bezeigen / sie ihres Dienstes entsetzet / und die Straffe / die die Ubertrettere einfach geben / vierfach abzutragen sollen angehalten werden.

In Uhrkund dessen haben Wir dieses unterschrieben / und mit unserm Signet betrucken lassen / Bückeb. Den 26. Januar Anno 1649.



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