Hagenburg


Steuer-Cataster des Amts Hagenburg

(Quelle: Staatsarchiv Bückeburg Des L3 Sf Nr. 88c)


Provisorisch rectificirter alter Steuerffuß für das Jahr 1817 des Amts Hagenburg


Nachstehende Abschrift ist nach sorgfältiger Vergleichung mit dem bisher geführten Kataster übereinstimmend befunden worden, und sind alle seit dem heutigen Tage vorfallenden Veränderungen in den Steueransätzen nunmehr in dieses Kataster und nicht mehr in das bisher geführte einzutragen. Bückeburg, 27. September 1844.

Allgemeine Bemerkungen.

Nachdem von Fürstlicher Regierung zu Bückeburg mittelst gnädigsten Rescripts vom 22. Novbr. 1816 dem hiesigen Amte eröffnet worden, daß auf das Desiderium der Landstände der bis 1813 gültig gewesene alte Steuerfuß, so lange bis ein dergleichen rectivicirter neuer definitiv eingeführt werden könne, beibehalten und nach demselben vom Anfange des Jahres 1817 an, haben solle, - eine Revision der Steuerkataster aber vorher nothwendig und deshalb die Anordnung einer Commission erforderlich sei, wesfalls dann der Herr Regierungs-Rath Krieger solche erhalten habe und von diesem nun mit Zuziehung des Amts, das fragliche Geschäft an Ort und Stelle vorzunehmen, verfüget worden, so sind sämmtliche Amts-Einwohner, mit Ausschluß der Flecken Steinhude und Hagenburg, als welche bei Aufbringung der Steuern sich selbst taxieren, gehört worden.

Der Anfang ist zu Großenheidorn am 23ten Decbr. vorigen Jahres gemacht allwo die steuerbaren Personen im dortigen Kruge coram commissione sich einzufinden bestellt waren, insofern sie Erinnerungen gegen die Morgenzahl, welche im Steuer-Register de 1813 bemerket stände, zu machen hätten. Sie waren in der desfallsigen Ladung ernstlich aufgefordert in sofern beim Ansatze von 1813, wovon denselben der erforderliche Extract mit zugefertigt worden war, etwas an Grundstücken vergessen, oder verheimlicht sei, dieses anzugeben, eben so aber auch ihre Ausstellungen nicht zu versäumen, wenn ihnen mehrere oder größere Morgenzahl angesetzet wäre, als sie besäßen.

Die Nichterscheinenden würden als solche, die damit den Ansatz von 1813 genehmigten, im desfallsigen vorgängigen Ausschreiben erkläret, und die Ortsvorsteher müßten solches als Document richtiger Bekanntmachung zurückgeben. Wegen eiliger Abberufung des Herrn Commissarii nach der Residenz, vom Directorio hoher Landes-Regierung, - konnte nicht mit Ausrichtung des Commissorii eher wieder vorgeschritten werden, als am 15ten Januar 1817, wo auf hiesiger Amtsstube mit der Dorfschaft Altenhagen und Untersuchung deren Steuer- Ansätze contiemiret ist. Auf gleiche Weise ist am 16ten desselben verfahren, und wurden die betreffenden Personen aus Wiedenbrügge, Schmalenbruch, Windhorn, Landwehr, Bergkirchen, auch Wölpinghausen nach dem Krughofe des letztgenannten Orts, auf ein gleiches Ausschreiben, wie dessen bei Großenheidorn erwähnt worden, citirt und ist von früh Morgen bis zum Spätabende mit Vernehmung der Steuerpflichtigen verfahren. Am folgenden Tage kam die Reihe an die Lindhorster auch Niedernhölzer und war der Versammlungsort auf dem Gümmerschen Hofe No. 4 alldort. Die Pollhäger zusammt den Nienbrüggern waren schon einige Tage zuvor im Wirthshause des zuerst genannten Ortes des fraglichen Gegenstandes halber verhöret.

2.

Es wurde bei diesem Geschäfte dergestalt verfahren:

a. daß die Angabe derer, welche weniger als ihnen 1813 angesetzet, zu haben behaupteten, durch Revision des alten Lagerbuches untersuchet sind und wenn darin keine Erläuterung zu finden war, so mußten die Grundstücke specifion ihrer Größe und Lage nach von den Reclamanten angegeben werden. Attestirten dann die beeidigte Ortsvorsteher und sämtliche Anwende, daß die Angabe richtig sei, so geschah die Protocolirung davon. Nach geendigten Verhören sind noch

b. die Protocolle, die in den Terminen an Ort und Stelle abgehalten waren, jeden Comparenten wieder deutlich vorgelesen und von solchen genehmigt. Worden.

3.

Bei Anfertigung dieses provisorisch rectifizirten alten Steuerfußes sind als Hülfsquellen benutztet:

a. das alte Cataster von 1650

b. die Contributions-Hebungs-Register der alten Zeiten bis zu Ende des Jahres 1812.

c. das Steuer-Register de 1813

d. die Vernehmungen und Schätzungen alter, der Grundstücke jedes einzelnen Dorfsbewohners, kundigen Colonen und Hachmeisters, wenn nämlich a. über die Größe noch Morgenzahl, b. des Ansatzes im Ganzen c. der Güte des Grund und Bodens und d. der Art und Benutzung, ob zu Garten, Wiesen oder Saatlande, Zweifel entstanden, oder Discussionen gemacht wurden.

Die Personen, welche nun des Endes nachher adhibiret und zur Abgabe eines gewissenhaften Gutachtens gefordert wurden, waren nachfolgende:

A. aus Altenhagen.

Der Bauermeister Rüter No. 30.

B. aus Grossenheidorn.

Der Zehntzieher und Dienstlader Nölke No. 24 und der Bauermeister Dörges No. 25.

C. aus Schmalenbruch und D. Windhorn.

Der Hachmeister Hasemann No. 10.

E. von Wiedenbrügge.

Der gewesene Bauermeister Brösche No. 12.

F. wegen der Landwehr.

Derselbe, nebst Wüstenfeldt No. 8 aus Wiedenbrügge und dem Amtsdiener Tieste dahier.

G. von Bergkirchen.

Der Hachmeister Wulf No. 18 und dessen Bruder, der Contributions-Sammler Wulf No. 34.

H. aus Wölpinghausen.

Der Ortsvorsteher und Mondgelds-Sammler Bock No. 21 benebst der Hachmeister Wiegmann.

J. aus Pollhagen.

Der Bauermeister Mestwarp No. 8 und Hachmeister Abel.

K. von Lindhorst.

Der Colon Gümmer No. 4 und Amtsdiener Koller.

L. aus Niedernholz und Nienbrügge.

Der Hachmeister Dühlmeyer und Bövers No. 2 aus Nienbrügge.

4.

Nach Erfordern und in Berücksichtigung der Localität hat eine und dieselbe Regel bei Ansetzung der Steuern auf alle Ortschaften keine Anwendung leiden wollen, vielmehr ist die große Verschiedenheit des Bodens im hiesigen Amte, ein Motiv gewesen, dernach zu verfahren.

5.

Die Dorffschaft Großenheidorn hat solches Saatland, welches in andern Gegenden, von der besten Sorte nicht einmal mittelmäßig, sondern blos als schlecht geschätzet werden würde und darf nur beispielsweise angeführt werden, daß dort sich mehrere Grundstücke so leichten unfruchtbaren Bodens finden, daß die Meyer davon jährlich keine 6 mgr. Pacht einträgt.

Häufig bleiben diese Ländereien unbestellt oder dreisch mehrere Jahre liegen und wurden daher von diesen vor einigen Jahren schon laut Regierungs-Verwilligung nur 1 Deut per Morgen gesteuert.

Die Gärten sind von leichten Sandboden, oder Moorgrund, daher dann von diesen nur 4 Deut für die Morge an monatlicher Contribution hat angesetzet werden können.

6.

Bei dem Ansatze der Steuer für die übrigen Dörfer des hiesigen Amts ist dergestalt zu Werte gegangen, daß gerechnet worden:

a. ein Morgen gutes Saatland, wenn es zinsfrei, aber zehntbar und so vice versa, - 6 Deut.

b. von dergleichen mittelmäßigen,- 4 Deut.

c. von schlechten aber,- 2 Deut.

d. von 1 Morgen Rott- oder Kirchenlande,- 2 Deut.

e. von 1 Morgen zins- und zehntbaren guten Lande,- 4 Deut.

f. von 1 Morgen dergleichen mittelmäßigen, so wie auch schlechten,- 2 Deut.

g. von 1 Morgen guten Wiesenwachses,- 6 Deut.

h. von 1 Morgen mittelmäßigen Wiesenwachses,- 4 Deut.

i. von 1 Morgen schlechten Wiesenwachses,- 2 Deut.

k. von 1 Morgen Hudeland,- 2 Deut.

l. von 1 Morgen Hofraum,- 2 Deut.

m. von 1 Morgen Garten,- 8 Deut.

n. von 1 Morgen Holzung,- 2 Deut.

o. vom Hause eines Meyer oder Halbmeyer,- 3 Groschen.

p. Köter oder Brinksitzer,- 2 Groschen.

7.

In Fällen, wo das alte Kataster die Grundstücke der Unterthanen größer angiebt, als das Steuer-Register 1813, ist nach jenem der Ansatz geschehen oder vielmehr das Quantum des alten Steuerfußes wieder angesetzt worden, so auch geschehen, wenn die Morgenzahl in beiden nicht Differirte, indem das alte Lagerbuch mehr Glauben verdienet als der Ansatz de 1813, welcher nur nach dem Augenmaße der damaligen Taxatoren geschah, nicht nach vorgängiger geometrischer Vermessung.

8.

Die Grundstücke, welche nach dem Jahre 1812 durch Ausweisungen, Tausch oder Kauf, Schenkung oder Erbschaft adquiriret worden, sind in der Rubrik „Zugang“ gehörig notiert und dem alten Quanto addiert worden.

9.

Auf solche immobilia, die vor 1812 nicht zur Steuer gesetzet waren, weil etwa der Rottzins davon in das Ausland gezahlet worden, ist jetzt auch, wann sie unstrittig im hiesigen territorio lagen, Contribution gelegt, denn Grundstücke thun oft Rottzins hierher und so umgekehrt, wenn sie gleich extra territorium situiret sind.

10.

Die Ausländer, welche im Bezirke des hiesigen Amts, Grundeigenthum besitzen, sind dahier als im foco rei sitae, noch der Qualität ihrer Besitzungen, zum Ansatz gebracht, als zuvor die Hachmeister Wiegmann No. 53 aus Wölpinghausen und Wulf No. 18 von Bergkirchen sowohl nach der Größe, als auch nach der Güte und Beschaffenheit, die Grundstücke der Sachsenhäger, Auhäger, Düdinghäuser und Winzlarer auf ihren gleleisteten Eid taxiert, in Ansehung der Mesmeroder aber dieses vom Zehntzieher Vehling Nr. 83 dahier geschehen, auch eine Vergleichung mit den Zehnt- und Rottregistern vorgenommen war. In zweifelhaften Fällen auch hier die Mitteltaxe gebraucht.

11.

Bei Grundstücken, welche vor 1813 nicht hierher, sondern ins Ausland contribuiren mußten, ist die nöthige Bemerkung und Verfügung dem Ansatze gegenüber gesetzet worden.

12.

Verschiedene hiesige Unterthanen besitzen auch Ländereien, vorzüglich Wiesen und Holzung oder Huteland, wovon vor dem Jahr 1813 nichts an Steuer bezahltet worden, wovon beispielsweise hier nur gleich angeführet werden, die Colonen Möller No. 10, Mestwarp No. 24 und Hasemann No. 41 zu Pollhagen, die gemeinschaftlich einen zur Hude und Holzung benutzten großen Kamp, der Wiehbusch genannt, nutzen.

Da aber dieses Grundstück im hiesigen Amte liegt, auch seit 1813 davon gesteuert worden, mithin possessores die Verbindlichkeit davon zu contribuiren, anerkannt haben, so ist solches, so wie andere, wobei gleiche Rücksichten eintreten, zum Ansatz jetzt wieder gebracht worden, obgleich das alte Lagerbuch davon schweigt, auch ein alter Kaufbrief vermeldet, daß keine Steuer davon gehe.

13.

Dagegen ist das sogenannte alte Herren-Land nicht mit angesetzet worden. Die Gründe, warum dieses geschehen, sind:

a. weil vor 1813 keine Contribution davon entrichtet wurde;

b. weil die Besitzer gleichsam nur pachtweise solches benutzen und jährlich Landzinse oder ein locarium davon in hiesige Renterei bezahlen, auch bei Veränderung gnädigster Landesherrschaft, oder des Besitzers, einen Weinkauf entrichten müssen.

14.

Zu Vermeidung großer Brüche, die die Berechnung nicht leidet, sind nur ¼, ½ und ¾ Pfennige angesetzet worden, da der Ansatz von 2/3 pp. Pfennigen im Addieren beschwerlich ist.



Hagenburg, den 19. Februar 1817

Fürstlich Schaumburg-Lippisches Amt dahier

Sander


Übersicht zu den im Steuer-Kataster des Amts Hagenburg vorkommenden Ortschaften:

Altenhagen – Auhagen (Forens.) - Bergkirchen – Düdinghausen (Forens.) - Eickhöfe (Forens.) - Grossenheidorn – Hagenburg – Hagenburger-Holz – Landwehr – Lindhorst – Mesmerode (Forens.) - Niedernholz – Nienbrügge – Pollhagen – Sachsenhagen (Forens.) - Schmalenbruch – Steinhude – Wiedenbrügge – Windhorn – Winzlar (Forens.) - Wölpinghausen



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