Das Kirchdorf Bergkirchen


Auf dem ersten Bergrücken am Rande des Norddeutschen Tieflandes, nördlich von Sachsenhagen und südlich vom Steinhuder Meer, dort, wo sich das Weserbergland ankündigt, liegt das alte Kirchdorf Bergkirchen. Der Ort dehnt sich seiner ganzen Länge nach auf der Höhe des Berges aus und ist deshalb weithin sichtbar.

Der Boden ist steinig und macht die Landwirtschaft mühsam und anstrengend, dennoch haben die Bewohner ihre exponierte Lage früh genutzt und eine im 16. Jahrhundert errichtete Bockwindmühle krönte weithin sichtbar den Bergrücken. Die Bergkirchener Mühle brannte im Winter 1892/93 ab.

Eigentümer der Mühle war der Müller Dralle, der eine zweite Bockwindmühle in Wölpinghausen besaß, die der Bergkirchener Mühle vollständig glich.

Die städtische Windmühle in Stadthagen beim Bahnhof (Bild oben), die noch 1845 erneuert worden war, konnte sich der modernen technischen Entwicklung in Stadthagen nicht anpassen. So erwarb Müller Dralle die holländische Windmühle aus Stadthagen und ersetzte durch Wiederaufbau in Bergkirchen (rechtes Bild) damit die ausgebrannte Bergkirchener Mühle. Bis zum Jahre 1945 wurde sie mittels Windenergie betrieben. Der Betrieb wurde im Jahre 1955 eingestellt.


Bergkirchen wird 1174 in einer Urkunde des Bischofs Anno von Minden erwähnt, in der bestätigt wird, daß der Edelherr Basilius vom See (Wiedensahl) mit Einwilligung Herzogs Heinrich des Löwen dem Kloster Loccum 9 Hufen in „Berkerken“ geschenkt hat. In weiteren Urkunden wird Bergkirchen wie folgt bezeichnet:



Bergkirchen erhielt seinen Namen aufgrund seiner im 12. Jahrhundert errichteten Kirche. Der Name Bergkirchen ist eine Zusammensetzung aus dem mittelniederdeutschen „berch“ und dem neuniederdeutsch „barch“, welches Berg oder Erhebung bedeutet, also „zu der Kirche am Berge“ oder „der erhöht liegenden Kirche“.




Bergkirchen entwickelte sich zu einer geschlossenen Dorfanlage zu beiden Seiten der durchführenden Straße. Im Jahre 1560 war Bergkirchen zeitweise mit 88 ha größer als das nahe gelegene Wölpinghausen.





Der Lindhorster Chronik des Pastors Nothold ist zu entnehmen, daß während des Dreißigjährigen Krieges bereits bis zum Jahre 1625 der Ort zweimal ausgeplündert wurde und seitdem wüste und unbewohnt stehe. Zuvor hatte im Kirchspiel Bergkirchen im Jahre 1620 bereits die Pest gewütet, so daß die Bergkirchener stark gebeutelt waren.

Bei der Teilung der Grafschaft Schaumburg wurde Bergkirchen, damals dem Amt Sachsenhagen zugehörig, dem kleinen Amt Hagenburg zugeteilt und gehörte damit zu dem fortan bestehenden Schaumburg-Lippe.

Nach dem Dreißigjährigen Krieg lagen durch die schweren Verwüstungen und Verluste im Dorfe einige Höfe wüst. Laut Verzeichnis wüst liegender Höfe im Amt Sachsenhagen handelte es sich 1665 noch um 4 Meierhöfe (Michael Kollinges, Johan Priehen, Bartholdt Boitemundt und Heinrich Schragen), 1 Halbmeierhof (Heinrich Salgen), 1 Kötherhof (Heinrich Knobben) und einige kleine Stätten ohne Ländereien, welche zu vergeben mit wenig Hoffnung verbunden war.

Ab dem Jahre 1750 förderte Graf Wilhelm die Zuwanderung von „ausländischen“ Siedlern und unterstütze diese durch verbesserte Anbaumethoden und neuen Feldfrüchten, wie Kartoffeln, Rüben und Kohl. Weiterhin förderte Graf Wilhelm die Leinenweberei, um den besitzlosen Familien ihr Auskommen zu ermöglichen. Die Bergkirchener Weber wurden damit für die Steinhuder Webereien tätig. Damit begann auch die enge Verflechtung von Handwerk, Gewerbe und Landwirtschaft - charakteristisch für die Wirtschaftsstruktur des Kreises Schaumburg-Lippe.

Die Aufhebung des Gesetzes der Leibeigenschaft erfolgte 1810, das jedoch nicht die zu entrichtenden Hand- und Spanndienste aufhob. Das Gesetz zur Ablösung des Zehnten erfolgte erst im Jahre 1845.

Durch den Steinbruch und das Bergwerk gab es in Bergkirchen einen Zuzug von Arbeitern. Dadurch entstanden in Bergkirchen eine Vielzahl neuer Anwesen am Rande des alten Dorfes.

Nach dem 2. Weltkrieg entwickelte sich Bergkirchen zunehmend zu einem Wohnstandort. Im Zuge der Verwaltungs- und Gebietsreform wurde die bis dahin selbständige Gemeinde 1974 ein Ortsteil der Gemeinde Wölpinghausen.


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