Die Blattern im Schaumburger Land


Unter besonderer Berücksichtigung des Kirchspieles Bergkirchen



Die Blattern sind in den mehrsten Fällen die schwerste, schmerzlichste, abscheulichste Krankheit; und sie verbreiten Jammer und Elend, Ansteckung und Tod um sich.“

...Der Mensch, der die Blattern hat, ist gewöhnlich, oder in der Hälfte der Fälle, von dem Kopfe bis zu den Füßen von vielen, vielen tausend, oder von unzähligen Blattern bedeckt, er ist Ein Geschwür und Eine Beule, und sein Körper trieft von stinkendem Eiter...“


Mit diesen Worten beschreibt der Bückeburger Dr. Faust im Jahr 1804 in seinem „Zuruf an die Menschen“ die besonders bis zum 18. Jahrhundert stark epidemisch auftretenden Blattern.

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Die Blattern – was war das nun für eine Krankheit die uns so oft bei unseren Recherchen in den Kirchenbüchern, besonders bei Kleinkindern, als Todesursache angegeben wird?

Dieser Frage soll anhand vorhandener Quellen im Staatsarchiv Bückeburg und unter besonderer Berücksichtigung des Kirchspieles Bergkirchen und seiner Kirchenbücher in nebenstehender Ausarbeitung auf den Grund gegangen werden.

Es wird angestrebt die Recherchen bis Ende des Jahres zu beenden. Über die Erscheinungsform der Abhandlung ist noch keine Entscheidung getroffen worden.

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Das derzeitige Inhaltsverzeichnis enthält neben einer Einleitung:

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Zum Thema:

Blattern oder auch Pocken genannt, sind eine durch ein Virus hervorgerufene hochansteckende Infektionskrankheit, von der hauptsächlich Kinder betroffen waren. Unter hohem Fieber bilden sich bei dem Patienten auf der Haut und den Schleimhäuten Eiterpusteln (vgl. nebenstehende Moulage). Während dieser Zeit leiden die Patienten unter hohem treppenförmig ansteigendem Fieber mit Delirien, Verwirrtheit, Desorientierung und Wahnvorstellungen. Später gehen die Pusteln in Geschwüre über, welche beim späteren Abheilen entstellende Narben hinterlassen. Die Sterblichkeit liegt bei den echten Pocken, je nach Bösartigkeit der Epidemie zwischen 10 und 50 %, bei den weißen Pocken immerhin noch bei 1 bis 5 %. Die schwarzen Blattern verlaufen zu annähernd 100 % tödlich. Wer die echten oder sogar die schwarzen Pocken überlebte, war lebenslang vor einer erneuten Erkrankung geschützt.


...Leider wurde in den ersten beiden Kirchenbüchern von 1648 – 1726 nur selten eine Todesursache angegeben, so dass man nur mutmaßen kann, zu welchen Zeiten das Kirchspiel von den Blattern heimgesucht wurde. Zu damaligen Zeiten konnte man allerdings alle 4 – 7 Jahre mit einer Blatternepidemie rechnen.

1650 starben in der Zeit von Mai bis Juli auffällig viele Kleinkinder in Sachsenhagen, welches zu der Zeit noch in Bergkirchen eingepfarrt war. Bei drei dieser Kinder hat der Pastor vermerkt, dass sie in den Blattern gestorben waren. Ein weiterer Vermerk deutet auf ein Blatternkind in Auhagen hin. ...

...1691/1692 sterben auffällig viele Kinder im Alter von 4-11 Jahren hauptsächlich in Winzlar. Auch hier könnte man von den Blattern als Todesursache ausgehen. Die Blatternepedemie trat hauptsächlich in der ersten Jahreshälfte auf. In manchen Jahren mußten innerhalb weniger Monate über 20 Kinder zu Grabe getragen werden. Als starke Blatternjahre können wir dem Kirchenbuch entnehmen: 1772, 1778, 1779, 1784, 1785 und 1791. ...

...Nicht selten kam es vor, dass innerhalb einer Familie gleich zwei Kinder in kurzen Abständen an den Blattern starben. Besonders schwer traf es im Jahr 1778 den Windmüller Hinrich Philip Dralle aus Bergkirchen. Im Dezember trug er drei Töchter im Alter von 1 ½, 4 und 5 Jahren zu Grabe.

Dralle, Hinrich Philip – Windmüller

Tochter Sophie Eleonore

06.12.1778

5 Jahre, 9 Monate, 3 Wochen / Blattern / Mutter: weil. Anne Margarethe Türnaus


Tochter Ilse Margarethe

20.12.1778

4 Jahre, 3 ½ Monate / Blattern / Mutter: zweite Ehefrau Catharine Sophie Türnaus


Tochter Sophie Marie

26.12.1778

1 ½ Jahre / Blattern / Mutter: Catharine Sophie Türnaus


Im darauffolgenden Jahr mußte der Schmied Johan Christian Meier aus Bergkirchen den Tod dreier seiner Kinder hinnehmen. Zwei Töchter und einen Sohn ließ er am 24. Januar 1779 in Bergkirchen begraben.


Meier, Johan Christian – Schmied

Tochter Engel Dorothee

24.01.1779

4 Jahre, 10 Monate / Blattern / Mutter: Clare Sophie Sandern


Sohn Johan Friderich

24.01.1779

3 Jahre, 2 Monate / Blattern / Mutter: Clare Sophie Sandern


Tochter Anne Catharine Sophie Charlotte

24.01.1779

1 Jahr, 5 Monate / Blattern / Mutter: Clare Sophie Sandern


...Für die Jahre 1797 und 1798 berichtet Pastor Johann Christian Wolbrecht: „Die letzte Blattern-Epidemie ging ungemein langsam durch's Land und war hier nicht bösartig. Es sind daran 1797 sieben Kinder und 1798 drei Kinder, also überhaupt 10 Kinder gestorben, und nicht an den Blattern allein, sondern an dem Zahnen, Würmern und andere Schwächlichkeiten, welche die Blatternkrankheit verstärkten...



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