Auhagen – Rähden


jenseits der Aue


Seit etwa 1600 entwickelte sich südlich der Aue ein eigener Ortsteil, der seitdem kontinuierlich anwuchs. Im Gegensatz zu Auhagen wurde der Rähden ein Haufendorf. Seine Einwohner waren arm und hatten kaum Landbesitz Ihre Ländereien lagen oberhalb der lang gestreckten Hufen der Voll- und Halbmeier.



Ihr karger Verdienst war der Lohn für ihre in Steinhude abgesetzten Hauswebwaren. Die von dort in den Handel gebrachten Weberzeugnisse waren im Land gefragt. Davon hatten aber die Leute in Rähden wenig: sie tagelöhnerten daher auch bei den Auhäger Bauern.


Wenn ein Tagelöhner bauen wollte, half man ihm. Der Bauplatz war günstig, und die Bauern leisteten unentgeltlich Fuhren. Dafür aber musste der Bauherr ein Richtfest mit warmer Rinderwurst und sehr viel Schnaps und Bier feiern. Hierbei ließen sich die Bauern nicht lumpen. Sie sammelten Geld für den Neubau, und manch Richtfest hat den Hausbau geldlich gesichert.


In obiger Karte von 1714 sind den Höfen die Hausnummern zur damaligen Zeit zugeordnet. Der damalige Rähden beginnt mit der Hausnummer 43 und endet hier bei der Nummer 66. Zu der Zeit lebten auf den Höfen:


Nr.

Name


zusätzlich


Straße heute

43

Cordt Hartmann

Brinksitzer

Altarmann


Hagenweg 1

44

Statz Koch

Brinksitzer



Im Pump 15

45

Cordt Lampe

Brinksitzer



Im Pump 3

46

Jost Scher

Brinksitzer



Nicht mehr vorhanden

47

Hans Türnau

Brinksitzer


Pinckenborgs Hofe“

Hagenweg 3

48

Dirck Schrage

Brinksitzer



Im Pump 8

49

Otto Hector

Brinksitzer

Meister Koch


Alter Winkel 8

50

Hans Hartmann

Brinksitzer



Auf dem Rähden 4

51

Cordt Bruns

Brinksitzer



Im Pump 7

52

Johan Wulff

Brinksitzer

Krüger


Alter Winkel 4

53

Hans Westen

Brinksitzer



Im Pump 9

54

Cordt Siehausen

Brinksitzer



Nicht mehr vorhanden

55

Friederich Hogreve

Brinksitzer



Im Pump 17

56

Hans Jörning

Brinksitzer



Aueweg 3

57

Cordt Köneke

Brinksitzer



Aueweg 1

58

Julius Linnemann

Brinksitzer



Im Pump 19

59

Tönnis Köneke

Brinksitzer



Auf dem Rähden 10

60

Otto Behrens

Brinksitzer



Auf dem Rähden 14

61

Albert Nolte

Brinksitzer



Alter Winkel 2

62

Jobst Scher

Brinksitzer



Im Pump 5

63

Tönnis Witte

Brinksitzer



Aueweg 2

64

Heinrich Wilhelm

Brinksitzer



Nicht mehr vorhanden

65

Johan Köneke

Brinksitzer



Breiter Weg 3

66

Jobst Nolte

Brinksitzer



Nicht mehr vorhanden



Um 1750 gab es neben einer Gastwirtschaft auf der Schier auch eine Wirtschaft auf dem Rähden, welche aber wegen der mangelnden Passage nur sehr wenig Bier und Branntwein ausschenken konnte.


Als etwa 1870 die Sachsenhäger Domäne aufgelöst wurde, fiel Land auch an Auhagen. So konnten die Leute in Rähden sich auch schon etwas der eigenen Landwirtschaft widmen. Noch reichte es jedoch nicht zur Viehhaltung. Es gab damals noch sehr viel Ziegen in Rähden.


Anfangs ein Haufendorf mit Handwerkern, Tagelöhnern und Nebenerwerbsbauern, war es mehr ein Ableger der größeren Höfe an der Hauptstraße zwischen Sachsenhagen und Mesmerode. Bei jeder Erweiterung wuchs der Rähden weiter in den Dülwald hinein, der dazu gerodet werden mußte.


Später wurden hier Gewerbe angesiedelt: Handwerker mit kleinen Werkstätten im Haus und kleinere Betriebe wie eine Sägemühle und Zimmerei.

Bekannt ist die Brinkmannsche Zimmerei in Auhagen. Mitten im Ort liegt die Firma an der Straße durch das alte Rähden. Der Holzplatz war bereits 1950 groß genug, um ganz Auhagen mit Bauholz für Siedlungshäuser zu beliefern. Aber für diese Häuser fehlte das Geld in Auhagen. Die Gemeinde hatte sich vorsorglich einen Teilbebauungsplan anerkennen lassen. Außerhalb dessen baute der Tischler Hartmann ein Wohnhaus und innerhalb des Baugebietes ließ die Firma Brinkmann ein Vierfamilienhaus für Betriebsangehörige ihre Sägewerks entstehen.

Aber auch Heimarbeiter (z. B. als Weber), Läden, Arbeiter im Bergbau und Wanderarbeiter, wie Heringsfänger fanden ihr Auskommen.

In den letzten Jahrzehnten arbeiten die Bewohner zunehmend als Pendler, so daß dieser Ortsteil fast ganz den Charakter einer Wohnsiedlung bekommen hat und von den Agrarkrisen kaum betroffen ist.


Im Jahre 1921 wurde im Rahmen der Wohnbaupolitik der Regierung ein größeres Stück im Dühlwald zur Bebauung freigegeben und damit kam auch ein allmählicher Wohlstand.

Verheiratete „Kleine Leute“ hatten gute Chancen zu den Bewerbern um jeweils zwei Morgen Land zu gehören, zumal wenn jung und alt bisher unter einem Dach zusammenlebten. 300 Goldmark mußten für ein Waldstück bezahlt werden, das von den neuen Eigentümern selbst zu roden war. Es war nichts anderes, als eine Fortsetzung der Rodung der Vorfahren. Mit dieser Besserung der Lebensverhältnisse kamen auch die Kühe in die Ställe, und da eine Kuh „viel Armut zudeckt“. Heute merkt man keinen sozialen Unterschied mehr, wenn man über die Franzosenbrücke der Aue nach dem eigentlichen Auhagen kommt, das Rähden längst eingemeindet hat.

Die von den Franzosen nur aus Sandsteinen gefertigte Auebrücke blieb unverändert stehen, bis sie Mitte der 1950 Jahre abgerissen wurde. Erst da hatte die Bogenbrücke unter dem zunehmenden Lastwagen verkehr des Kali-Abbaus nachgegeben. Gleichzeitig wurden vier Pappeln gefällt, die angeblich noch aus der Franzosenzeit stammten. Ein Sandstein aus der Auebrücke, in den die Jahreszahl 1806 eingemeißelt war, ist inzwischen verschollen.

Die Siedlung ist noch heute in einer gewissen Einheitlichkeit gut sichtbar: Es sind die Häuser auf der Straßenseite hinter der ehemaligen Gaststätte Buhr. (heute Morgenstern)

Seit dem 2. Weltkrieg wurden hier auf dem Rähden immer wieder neue Bebauungsflächen ausgeschrieben, auf denen vielfach neue Siedler gebaut haben.


Nicht nur durch unterschiedliche Arbeitsgebiete, sondern auch vom geselligen Leben her hatten sich die drei Ortsteile (Auhagen, Schier und Rähden) voneinander getrennt entwickelt.

Das Vereinsleben spielte sich oft getrennt ab, beim Pfingstbier blieben die Ortsteilbewohner unter sich, und geheiratet wurde meist standesgemäß. Dadurch kam die nähere Verwandtschaft meistens aus dem eigenen Ortsteil.

Zwar sind in Auhagen - wie auch in anderen Dörfern - die meisten Leute irgendwie miteinander verwandt (auch die ersten Bewohner der neuen Dorfteile waren ja aus den alten Familien gekommen), aber zwischen dem alten Dorf, bzw. der Schier und dem Rähden wurde nur selten geheiratet. Es kam höchstens vor, dass ein Mädchen vom Rähden „rauf“ geheiratet hat.

Während langer Jahrhunderte war das Dorf Auhagen mit seinen Ortsteilen vom bäuerlichen Leben geprägt. Noch 1961 verdienten 42% (fast jeder Zweite) der Erwerbstätigen ihren Unterhalt in der Land- und Forstwirtschaft. Aber nur wenige Jahre später (1970) finden hier nur noch 17% (fast jeder Sechste) der Erwerbstätigen ein Auskommen.


Östlich vom Rähden erstreckt sich ein Naturschutzgebiet - die Auewiesen, die sich als eichen- und eschenbestandenes Weideland, von natürlichen Knicks durchzogen, an der Sachsenhäger Aue entlang bis zur Boltenbrücke im Schierer Waldstück hinziehen.

Es war eine alte Auhäger Sitte, daß die freienden jungen Männer des Dorfes je eine Eiche auf der Weide pflanzten. Es ist viel im Dorf gefreit worden, denn die Zahl der Eichenbäume ist stattlich.

Eine Wiese im Borgen der Aue, hinter der „Insel“, wird auf alten Karten und im Volksmund noch „Feenswisch“ (heute Feinswiesen) genannt. Auf dieser Wiese sollen die französischen Soldaten zur Zeit der französischen Besetzung (1806-1813) ihr Lager gehabt haben.



Quellen: Steuerregister von 1750 (Staatsarchiv Bückeburg) / Auhagen - Unser Dorf, unsere Geschichte (Gemeinde Auhagen 1995) / Auhagen - weltentlegen, aber lebensstark (Schaumburger Zeitung vom 24.06.1950)



zurück nach Auhagen