Lindhorst


St. Dionysius Kirche

Die Kirche St. Dionysius wurde um 1180 erbaut und gehört damit zu den ältesten im Schaumburger Land. Urkundlich erwähnt wird eine Kirche zu Lindhorst erstmals 1395. In dem Gotteshaus hat schon der Magister Anthonius Nothold gewirkt, welcher ab 1597 Pastor in Lindhorst war und.dem wir die Lindhorster Chronik aus dem 17. Jahrhundert verdanken.

Zwei romanische Gewölbe sind noch gut als ältester Teil der Kirche zu erkennen. Bis heute wurde sie jedoch mehrfach erweitert: Anfang des 16. Jahrhunderts wurde das Kirchenschiff erweitert.

1565 war der alte Turm verfallen und es entstand der weithin sichtbare und im Baustil ungewöhnliche jetzige Kirchturm..Der quadratische Bau aus Bruchstein mit Eckquadern hat einen bekupferten Pyramidenhelm mit geschlossener Laterne. Über dem Westportal befindet sich ein Wappenstein von 1565. Am Drei-Königs-Tag des Jahres 1617 entstand in Lindhorst eine Feuersbrunst bei der etliche Häuser abgebrannt sind und auch der Kirchturm großen Schaden erlitt: Er brannte bis an die Uhrglocken herunter. Diese in der Chronik Notholds festgehaltene Bemerkung ist ein Beweis dafür, dass es im frühen 17. Jahrhundert bereits eine Turmuhr gab. Bekannt ist auch, dass der große Zeiger, der die Inschrift „M. Anthon Nothold“ trägt, 1616 angebracht wurde. Außerdem kann man am Turm die Zeit von einer Sonnenuhr aus dem Jahre 1616 ablesen. Jedoch hat die Sonnenuhr leider keinen Zeiger mehr.

Seit 1515 ziert den Altarraum ein kostbarer Schnitzaltar, welcher aus Lindenholz angefertigt wurde. Er entstand in der Zeit der Spätgotik in einer Hildesheimer Werkstatt. Forschungen lassen vermuten, dass der junge Tillmann Riemenschneider am Marien-Altar mitgearbeitet hat. Ursprünglich hat es sich bei dem Altaraufsatz um einen Flügelaltar gehandelt, heute ist von diesem nur noch der Schrein vorhanden. Vom rechten Flügel befinden sich drei Reliefs im Bremer Focke-Museum. Zentrum ist der Kalvarienberg, umgeben von Heiligenfiguren, darunter auch der heilige Dionysius, der Schutzpatron der Kirche.

Der heilige Dionysius, den Nothold noch – wie es auch heute gelegentlich üblich ist – mit dem Dionysius Areopagita, dem altkirchlichen Schriftsteller, gleichsetzt, soll der Legende nach im 3. Jahrhundert von Rom nach Paris gekommen und nach seiner Enthauptung den Kopf in der Hand, bis zu dem nach ihm benannten Saint-Denis gewandert sein. Er ist einer der 14 Nothelfer.

Interessant ist der Taufstein in der Kirche St. Dionysius. Er stammt aus dem Jahre 1627 – aus der Zeit des Chronisten Nothold. Die alte Kanzel wurde der Kirche etwa 1660 von den Herren von Landsberg gestiftet.

Bei dem großen Brand 1642/43 sind die drei Glocken geschmolzen oder sonstwie zerstört. Die große Ersatzglocke wurde laut Inschrift 1644 gegossen. 1829 wurde diese Glocken in Linden vor Hannover umgegossen. Die kleinere Glocke, sicher auch nach 1643 erworben, stürzte später vom Turm und blieb etwa 50 Jahre dort liegen, bis 1799 die Hochgräfliche Commission befahl, sie neu gießen zu lassen. Dies geschah 1792 durch Meister Johann Friedrich Altenburg in Sachsenhagen. Beide Glocken wurden 1915 beschlagnahmt. Erst 1928 konnte ein neues Geläut aus Stahl gekauft werden. Die beiden neuen Glocken waren 1922 gegossen worden und blieben der Gemeinde bis heute erhalten.

Wer trotz des Rufes der Glocken dem Gottesdienst fern blieb, dem Pfarrer bei der Predigt widersprach oder sich ansonsten nicht an die Regeln hielt, lief im 16. Jahrhundert Gefahr, an den Schandpfahl geschlossen zu werden. Diesen ließ Graf Otto in Sandstein aufstellen und steht heute noch vor der Kirche.

Man weiß wohl, dass es bereits eine Orgel gab, aber nichts über deren Ausstattung. 1881 wurde sie durch ein Instrument des Orgelbauers Meyer aus Herford ersetzt, leider war dieses bereits 1939 abgängig. Die dann angeschaffte Orgel begleitet noch heute die Gemeinde beim Gottesdienst. Sie wurde 1967/68 von der Firma Hammer, Arnum, umgebaut und verfügt, wie die von 1881 über zwei Manuale und Pedal.

Vor 1914 dachte man an den Abbruch und die Errichtung einer neuen Kirche. Hierzu kam es durch Krieg, Revolution und Inflation nicht. In den weiteren Zeitläufen blieb die Kirche wohl erhalten, blieb aber stets ein Sorgenkind. In den 30er Jahren wurde das Bauwerk für mehr oder weniger baufällig erklärt. Für den Sommer 1939 wurde die Erneuerung und Neuordnung der Einrichtung beschlossen. Ende August waren die Arbeiten beendet und im September fand die Einweihung statt.

Die letzte Erweiterung erfolgte im Jahre 1965, als an der Südseite des Chores von St. Dionysius 1965/67 ein Querarm angefügt wurde, dessen Architekt Hachtmann aus Celle war. Ein Relief zeigt Christus.

Bei den von 1964-1970 durchgeführten Arbeiten wurden unter dem Putz in den gotischen Deckengewölbekappen der Apsis von St. Dionysius Teile von Freskenmalereien aus dem 16. Jahrhundert freigelegt. Sie stellen das Abendmahl, die Geburt Jesu, die Anbetung, das Fegefeuer, den Gekreuzigten mit Maria und Johannes, sowie die Auferstehung Christi mit drei bewaffneten Wächtern und einem weiteren, vom Geschehen geblendeten, dar. Nur die beiden letztgenannten Bilder konnten wieder hergestellt werden. Das Hervorholen der alten Malerei aus der Übermalung ist jedoch sehr teuer und kann deshalb nur in größeren Zeitabschnitten erfolgen.

Zur evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde gehörten 1660 Lindhorst, Niedernholz, Lüdersfeld (wo sich noch jetzt eine Kapelle befindet und das in Ober-, Nieder- und Kapellen-Lüdersfeld abgeteilt war), Kobbensen und Schöttlingen und Eickhöfe, 2 Höfe in Habrihausen, 5 Höfe in Blyinghausen und 2 Höfe in Vornhagen. Weiterhin das Schloss und alle Höfe und Stätten südlich der Aue in Sachsenhagen. Heute gehört zur Kirchengemeinde außer Schöttlingen kein Umland mehr. Die Kirchenbücher beginnen im Jahr 1650.

Quellen: Kirche in Schaumburg-Lippe, Herausgeber: „Stiftung Landeskirchliche Baupflege“ der Evangelischen Landeskirche Schaumburg-Lippe / Die vormalige Graffschaft Schaumburg in ihrer kirchlichen Eintheilung von Ernst Friedrich Mooyer, Bückeburg 1858 / Kirchen in Schaumburg, Werner Bentrup, Stadthagen 1987

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