Altenhagen / Hagenburg


St. Nicolai Kirche

Von der ältesten, wohl bald nach 1250 erbauten Kirche wissen wir nur recht wenig. 1461 wird Dietrich Sartorius, Kerkher tom Oldenhagen St. Nicolai in einer Urkunde genannt. Johann Alberti hieß der Pfarrer 1470. Im April schenkten die Grafen Adolf und Erich zu Holstein-Schaumburg der Kirche einige Ländereien und zwei „im Hagen“ gelegene Höfe. Am 10. Juni 1479 waren es die Grafen Erich und Anton von Holstein-Schaumburg, die der Kirche eine Wiese im Hagenburger Holz und das Land auf dem „Rotenstein“ schenkten. Mit diesem Land war die Familie von Mandelsloh belehnt gewesen, die ihrerseits die Familien Korthauer und Cordes damit belehnt hatte.

1483/84 ließen die Herren von Mandelsloh, Pfandinhaber der Hagenburg, eine neue Kirche im gotischen Stil, auf dem sogenannten Brink, einer kleinen sandigen Anhöhe am östlichen Ortsausgang von Altenhagen (etwa gegenüber der heutigen Weggabelung nach Steinhude und Wunstorf), erbauen. Die alte Kirche aus dem 15. Jahrhundert, zu dem außer Altenhagen und Hagenburg bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts auch die Gemeinde Mesmerode gehörte, stand am Ende des Kirchdorfes Altenhagen und diente der Kirchengemeinde Altenhagen-Hagenburg bis zum Abbruch im Jahr 1874 als Gotteshaus.

Pastor Merkel (1763-1795 in Altenhagen) beschrieb das Kirchengebäude so: „Die Kirche ist lang 73 Fuß 6 Zoll mit Thurm im Lichten und die Breite beträgt 23 Fuß 6 Zoll. Die Höhe bis unter das Gewölbe beträgt 18 Fuß 6 Zoll. Die Dicke der Mauer beträgt 2 ½ Fuß. Die Höhe des Daches an der Kirche vom Gewölbe an wird 17 Fuß ausmachen, folglich die gantze Höhe der Kirche 35 ½ Fuß.“ Der Kirchturm, der gleichzeitig mit der Kirche erbaut worden war, hatte eine Höhe von 64 Fuß; seine Mauern waren 4 Fuß stark.

Rund um die alte St. Nikolai Kirche war der Begräbnisplatz. Dieser Friedhof war seit 1556 mit einer kreisrunden Mauer versehen, die etwa 1 bis 1,5 m hoch war.

Bereits im 18. Jahrhundert reichte die Kirche für die große Kirchengemeinde nicht mehr aus. Pastor Merkel schrieb 1768: „Die Kirche ist für die hiesige Gemeinde zu klein und ist in alten Zeiten nur für die Einwohner von Altenhagen gebaut ehe das Flecken existiert hat.“

Für deren Vergrößerung hatte man bereits gesammelt und gespart, als im 30jährigen Krieg Großenheidorn in Schutt und Asche gelegt wurde. Das angesammelte Kapital wurde Großenheidorn zur Verfügung gestellt.

Weitere Sammlungen der Einwohner der beiden Dörfer gaben sie für die Beseitigung der Not, die durch eine Feuersbrunst in Klein-Heidorn im Jahre 1802 entstanden war. Weitere Spenden flossen nach Kolenfeld, wo während der Franzosenzeit im Jahre 1811 durch Feuer ein großer Teil der Häuser zerstört worden war. Die erste Not bei ihren Mitmenschen zu lindern, galt den Menschen damals offenbar mehr als ein Kirchenbau.

Die Dringlichkeit, die Kirche zu vergrößern oder eine neue zu bauen, wurde mit wachsender Zahl der Einwohner immer größer. Rund 20 Jahre, etwa von 1850 bis 1868 gab es Querelen wegen der Platzwahl. Die Hagenburger meinten als Bewohner des größeren Ortes, eines Fleckens, Anspruch darauf zu haben, dass die neue Kirche dort gebaut würde. Altenhagen, bereits 1247 urkundlich erwähnt, berief sich dagegen auf die seit Jahrhunderten bestehende Tradition als Kirchdorf.

Der damals in Altenhagen tätige Pastor Sprenger gab im Jahre 1861 erneut Anlass, den Neubau einer Kirche zu planen. Er berichtete an das Konsistorium, dass die Volkszählung im Dezember 1861 ergeben hat, dass, 33 Juden abgerechnet, in Hagenburg 1235, in Altenhagen 410 Menschen wohnen. „Wie kann unser Gotteshaus dem kirchlichen Bedürfnis einer solchen Gemeinde genügen?“ fragte er.

Die Meinungsverschiedenheiten wurden schließlich dadurch geschlichtet, dass das Fürstenhaus einen erheblichen Bauzuschuss unter der Bedingung in Aussicht stellte, dass die Kirche möglichst nahe der Ortsgrenze Hagenburg errichtet würde. Am 9. März 1867 einigten sich Hagenburg und Altenhagen über den Neubau einer Kirche mit mindestens 650 Sitzplätzen. Im Jahre 1867 wurde die Kirchengemeinde aktiv. Sie kaufte den Freihof W. Engelkes, den jetzigen Platz. Hier konnte nicht nur die Kirche errichtet, sondern auch ein Kirchhof angelegt werden und der Hofraum als Pfarrhof hergerichtet werden.

Man beauftragte den Baurat Hase, dem Begründer der Bauhütte Hannover, die Kirche für 23.800 Taler zu bauen. Bekannt wegen seiner Backseinbauten im neugotischen Stil wurde er allgemein auch Backstein-Hase genannt. Er war zu seiner Zeit einer der meist beschäftigten Architekten des Landes, dessen Kirchenbauten heute einen hohen architektonischen Rang einnehmen und vom Denkmalschutz gehütet und gefördert werden. Die feierliche Grundsteinlegung erfolgte am 28. Mai 1868 im Beisein des Erbprinzen Georg. Die Einweihung der Kirche fand am 17. September 1871 statt.

Sie ist eine neugotische Hallenkirche mit quadratischem Westturm, der mehr als 50 Meter hoch ist. Von der Kirche aus hat man einen weiten Blick ins Land und auf das Steinhuder Meer. Die Kirche ist ein Backsteinbau unter Verwendung farbiger Glanz und Formziegel. Das Gewölbe stützt sich auf zwölf Säulen. Die Säulen und auch die Emporen, auch die Kanzel und der Altar wurden in Backstein errichtet und ausgeführt.

Die heutige Ausstattung der St. Nicolai Kirche stammt aus der Erbauungszeit und ist nahezu vollständig erhalten. Bemerkenswert ist der Altar aus mehrfarbig glasierten Ziegeln in Form eines gotischen Tabernakels mit Wimpergbekrönung. Wimperg ist eine gotische Zierform. Das Mittelschiff hat ein Kreuzrippengewölbe. Der besonders schöne Innenraum ist, wie Dehio schreibt „ziegelsichtig“.

Rechts vom Altar befindet sich die Sakristei, ihr gegenüber der Sitz für die fürstliche Familie. Dieser wurde mit Rücksicht auf die Förderung des Kirchbaues eingebaut und weil die Angehörigen zumeist auf Schloss Hagenburg den Sommer verbrachten. Zur Kirchengemeinde zählen die Mitglieder des Hauses Schaumburg-Lippe allderdings nicht. Sie gehören seit Generationen der ev.-reformierten Kirche an.

Aus der alten Sankt Nikolai Kirche wurden die Glocken, die Turmuhr, ein Kronleuchter und die Altarleuchter übernommen. Auch die Oblatendose von 1693 wurde weiter genutzt. Mitte der 70er Jahre wurde sie gestohlen und tauchte 1978 in Hamburger Hehlerkreisen wieder auf, wo sie beschlagnahmt werden konnte.

Die Orgel in der heutigen Kirche St. Nicolai wurde vom Orgelbauer Schaper aus Hildesheim für 1.488 Taler angefertigt und am 28. August 1871 als „vorzüglich gelungenes Werk“ abgenommen. Die Orgel aus der alten St. Nicolai Kirche vom Orgelbauer Christian Vater aus Hannover 1724 für 160 Reichstaler gebaut, wurde „in guter Beschaffenheit“ am 18. September 1871 für 275 Thaler an die Kirchengemeinde Heimsen, an der Weser gelegen, verkauft.


Das alte Taufbecken

Die alte Kirche, obwohl noch standfest, war 1874 für 235 Taler auf Abbruch verkauft worden. Ihre Bausteine und große Teile eines Sandsteinreliefs, das die 14 Kreuzwegstationen Christi darstellte, wurden beim Ausbau der Straße von Altenhagen nach Steinhude als Packlager verwendet. Mit dem Bauschutt und den Steinen des umliegenden Friedhofes baute man die Landstraße nach Steinhude aus. Die wenigen, übriggebliebenen Grabstellen gingen später verloren.

Zwei Fragmente des Reliefs wurden noch auf dem alten Kirchengelände gefunden und sind heute im Chorraum der neuen Kirche aufgestellt. Auch tauchte 1985 der Taufstein der alten Kirche wieder auf. Er steht nun in der neuen St. Nicolai Kirche und erinnert an die alte Kirche, die den Altenhägern und Hagenburgern fast 400 Jahre als Gotteshaus diente.


Quellen: Kirche in Schaumburg-Lippe, Herausgeber: „Stiftung Landeskirchliche Baupflege“ der Evangelischen Landeskirche Schaumburg-Lippe / Die vormalige Graffschaft Schaumburg in ihrer kirchlichen Eintheilung von Ernst Friedrich Mooyer, Bückeburg 1858 / Kirchen in Schaumburg, Werner Bentrup, Stadthagen 1987 / Textauszüge aus: 600 Jahre Hagenburg von Heinrich Munk / St. Nikolai Kirche Altenhagen-Hagenburg, Arbeitskreis Geschichte Hagenburgs der VHS Schaumburg

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